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Ein neues Zuhause -
Missverständnisse im
Zusammenleben
zwischen Mensch und Hund
(Richard Didicher)

E i
n n e u e
s Z u h a u s
e
Der erste Tag mit Ihrem Welpen ist der
schwierigste.
Wichtig
ist es Fehler zu vermeiden, dies beginnt schon bei der Fahrt nach
Hause. Der Platz des Welpen im Wagen ist auf dem Arm Ihres Beifahrers
oder in einem kleinen Korb, der auf dem Schoß des Beifahrers
steht. Auf keinen Fall darf der kleine Hund in den Kofferraum eines
Kombis oder in eine geschlossene Transportbox
„verfrachtet“ werden.
Die
erste Autofahrt ist entscheidend und bewahrt Ihren Hund davor durch
Sabbern oder Spuken auf das für ihn unangenehm gewordenen Auto
zu reagieren.
Ein
Anhalten auf einer Raststätte ist nur bei langen Autofahrten
sinnvoll. Besser ist es, wenn der Welpe sein Geschäft noch vor
Beginn der Fahrt erledigt.
Zuhause
angekommen lassen Sie ihn den Garten erkunden mit der Hoffnung, dass er
einen geeigneten Platz für seine Bedürfnisse findet.
Bei
Winterwürfen erfragen Sie beim Züchter, wo die Welpen
ihr Geschäft verrichtet haben und legen Sie eventuell ein
Stück Zeitung oder etwas Einstreu, das Ihnen der
Züchter mitgegeben hat, an eine geeignete Stelle im Garten.
Anschließend lassen Sie ihn sich ausreichend in seinem neuen
Zuhause umsehen.
Ist
dies geschehen, kommt die erste Mahlzeit. Der Züchter hat
Ihnen bestimmt einen Futterplan und ausreichend Futter für die
ersten Tage mitgegeben.
Machen
Sie nach dem Fressen einen kleinen Spaziergang nach draußen,
den restlichen ersten Tag gestaltet der Welpen sowieso selbst.
Bitte
beachten Sie, dass Ihr kleiner Hund zwar geimpft ist, der
Impfschutz aber erst durch die Auffrischung nach ca. 4 Wochen
komplett ist. Meiden Sie in dieser Zeit öffentliche
Plätze und Hundespielplätze.
Die
erste Nacht ist bestimmt die schwierigste, sie werden wenig Schlaf
haben.
Entweder
Sie bringen den Welpen in der Küche unter oder Sie nehmen ihn
mit ins Schlafzimmer. Im ersten Fall lassen Sie leise das Radio an, im
zweiten Fall stellen Sie eine Box oder einen großen Karton
neben Ihr Bett.
Die
letzte Variante ermöglicht es Ihnen vielleicht sogar etwas
Schlaf zu finden.
Auch
wenn die ersten Tage anstrengend sind, muss Ihnen bewusst sein, dass
der Hund zu Ihnen ins Haus gehört und auf keinen Fall in einen
Zwinger.
Zwingerhaltung
ist schon deshalb verwerflich, weil dem Hund die menschliche Ansprache
fehlt, die er als Rudeltier so dringend benötigt.
Darüber
wird Sie Ihr Züchter auch aufgeklärt haben.
Seriöse Züchter geben keinen Hund zur Zwingerhaltung
ab. Um Ihren Welpen schnell sauber zu bekommen, brauchen Sie
Zeit. Die Ansätze zur Stubenreinheit hat Ihr Welpe
schon in der „Welpenstube“ gelernt. Er zeigt Ihnen
deutlich durch sein Verhalten, dass er „muss“: Er
dreht sich im Kreis und läuft aufgeregt hin und her. Nicht nur
jetzt, sondern auch nach Spielphasen und kurz nach dem Aufwachen ist es
sinnvoll schnell zu reagieren, den Welpen auf den Arm nehmen und nach
draußen bringen – am besten an eine Stelle, an der
er sich bereits gelöst hat.
Viel
Lob – mit freundlicher Stimme – sollte eine
erfolgreiche Verrichtung begleiten und damit ein Fehlverhalten
verhindern.
Beobachten
Sie ihn also und bringen Sie ihn bei den ersten Anzeichen von Unruhe
nach draußen. Nach den Mahlzeiten sollte er immer in Garten
gebracht werden.
Passiert
es trotzdem, dass Ihre Wohnung in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigen
Sie dem Kleinen ruhig, dass Sie über das Geschehene wenig
erfreut sind.
Um
Situationen zu vermeiden, die nicht erwünscht sind, wird ein
deutliches, lautes „Nein“ als Befehl gegeben.
Martialische Strafen machen Ihren Hund nur ängstlich.
Übersprühen Sie die gereinigte Stelle mit einem
Duftstoff, damit der Hund nicht in Versuchung kommt den gleichen Ort
nochmals aufzusuchen.
Bitte
überanstrengen Sie Ihren Welpen nicht durch stundenlange
Spaziergänge. Bedenken Sie, dass Ihr Weg auch einen
Rückweg hat.
Ausreichende
Bewegung ist für einen jungen Hund wichtig, zu viel
Bewegung schadet seinen Hüftgelenken.
Heute
sind Welpenspielgruppen in Mode gekommen. Sie haben den Vorteil, dass
der Welpe, der aus seinem Rudel herausgerissen wurde, hier soziale
Kontakte pflegen kann.
Langes
Toben aber schadet seiner Entwicklung. Achten Sie bitte, dass Ihr
Kleiner beim Spielen nicht von viel größeren oder
schwereren Hunden bedrängt und zu Boden gedrückt
wird. Auch das ist für die Entwicklung seines Knochenbaus
nicht förderlich.

G e s u n d h e i t
Unsere
Setter sind robuste Hunde und im Normalfall braucht man sich um ihre
Gesundheit keine Gedanken machen. Anzeichen von Krankheit
wären eine trockene, heiße Nase, erhöhte
Körpertemperatur (ab 38,5 °C). Mit einem etwas
eingefetteten Fieberthermometer lässt sich die Temperatur
rektal schnell feststellen.
Besonders
bei Welpen ist eine erhöhte Körpertemperatur
gefährlich, da sie zur Nahrungsverweigerung und zur
reduzierten Aufnahme von Flüssigkeit führt. Ihr Welpe
läuft Gefahr „auszutrocknen“. Ein Gang zum
Tierarzt ist unerlässlich.
Bei
leichten Durchfällen hilft eine Kur mit Karotten, Reis und
wenig magerem, gekochten Fleisch. Bei anhaltendem Durchfall ist der
Tierarzt zu konsultieren.
Fell-
und Ohrenpflege sollten regelmäßig erfolgen. Bitte
achten Sie darauf, dass der Hund von Frühjahr bis Herbst vor
Zecken geschützt ist, die passenden Mittel sprechen Sie mit
dem Tierarzt ab. Zecken sind Krankheitsüberträger von
Borreliose und Frühjahrshirnhautentzündung, beides
Erkrankungen, die auch für den Menschen gefährlich
sind. Verletzungen müssen immer behandelt werden, da sie zu
bösen Infektionen führen können. Auch hier
hilft der Rat des Tierarztes weiter.
Bitte
vergessen Sie nicht, den Hund regelmäßig zu
entwurmen, das schützt Sie und Ihrem Hausgenossen vor
Parasiten.

E r n ä h r u n g
Die
ersten zwei bis drei Lebensmonate erhält Ihr Welpe drei Mal
täglich seine Futterration. Richten Sie sich bei der
Fütterung nach dem Futterplan, den Sie vom Züchter
erhalten haben.
Als
Futterergänzungsmittel haben sich in der Wachstumsphase
Gelenkaufbau- und Kalziumpräparate bewährt. Die in
den Aufbaupräparaten enthaltenen Glukosamine fördern
die Einlagerung von Kalzium und Phosphat in die
Knorpelmasse und sorgen für die Stabilität des
Knochens während des Wachstums. Achten Sie darauf, dass Ihr
Welpe nach der Fütterung ins Freie gelangen kann, er wird sich
kurz nach dem Fressen lösen wollen. Achten Sie darauf, dass
Ihr Welpe nach der Fütterung ins Freie gelangen kann, er wird
sich kurz nach dem Fressen lösen wollen.
Danach
folgt eine Ruhephase. Diese ist für junge Hunde wichtig, es
gibt nichts Schlimmeres als einen hektischen Setter! Und die schnell
wachsenden Knochen der Extremitäten benötigen diese
Ruhe ebenfalls.
Danach
folgt eine Ruhephase. Diese ist für junge Hunde wichtig, es
gibt nichts Schlimmeres als einen hektischen Setter! Und die schnell
wachsenden Knochen der Extremitäten benötigen diese
Ruhe ebenfalls.
Sollte
Ihr Hund einmal etwas Falsches gefressen haben und Verdauungsprobleme
zeigen, geben Sie ihm als Mahlzeit gekochten Reis (breiig) mit Karotten
vermischt. Als Getränk reichen Sie ihm einen ganz leichten
Schwarztee; Sie werden merken, dass sich der kleine Magen ganz schnell
wieder beruhigt.
Halten
diese Probleme länger als einen tag an oder zeigt Ihr Hund
deutliche Merkmale einer Erkrankung (wenig durchblutete
Schleimhäute, Verweigerung der Wasser- und Nahrungsaufnahme,
Apathie), suchen Sie bitte einen Tierarzt auf.

P s y c h e d
e s H u n d e s
Die
Erziehung eines jungen Hundes ist für einen so genannten
Erstbesitzer nicht immer leicht. Zu viel kann daneben gehen.
Unsicherheiten in den Entscheidungen, was richtig oder falsch
ist, sind nur zu verständlich.
Deshalb
wurde dieser kleine Leitfaden erstellt um Ihnen die ersten Monate mit
Ihrem Irish Setter Welpen zu erleichtern.
Lassen
Sie sich nicht von der noch immer weit verbreiteten
Meinung, ein Hund sei erst ab sechs oder nach
zwölf Monaten im erziehungsfähigen
Alter, beeinflussen.
Spätestens
jetzt müssen Sie verstehen und akzeptieren, dass Sie einen
Jagdhund an der Leine führen, der Ihnen im Laufe seines Lebens
noch einige Schwierigkeiten bereiten kann.
Er
ist lauffreudig und ausdauernd, hat viel Temperament und
verfügt über besondere Anlagen und Eigenschaften, die
ihn befähigen über weite Strecken Wild zu riechen und
auch zu stellen. Das macht die Erziehung eines Irish Setters nicht
einfach und unterscheidet ihn auch von vielen anderen Hunderassen, in
deren Adern kein Jagdhundeblut fließt.
Es gibt nur eine
Alternative:
Sie
bilden Ihren Hund aus oder er fristet ein Dasein an der Leine und
vegetiert dahin. Die brutale und erschreckende Alternative
besteht darin, dass er überfahren oder erschossen wird.
Die
Freiheit und das Glück eines Setters wird im Wesentlichen
durch die Gründlichkeit seiner Ausbildung bestimmt. Sie werden
sicher ein Jahr benötigen um Ihren Hund zu kennen, zu
verstehen, seine Reaktionen und sein Verhalten richtig zu deuten. Dabei
muss nicht nur der Hund lernen. Lernen Sie zusammen mit Ihrem
Hund. Er ist ein temperamentvolles, kleines Lebewesen, auf das Sie sich
einstellen müssen.
Natürlich
gilt auch das Umgekehrte: Ihr Hund muss sich auch auf Sie
einstellen, er darf nicht zum Tyrannen werden, der Ihr ganzes Leben
durcheinander bringt.
Zu
einer Ausbildung gehört viel Liebe und Verständnis,
aber auch Durchsetzungsvermögen, Konsequenz und
Ausgeglichenheit in jeder Beziehung.
Einmal
ausgesprochene „NEIN’s“
werden für immer beibehalten. Damit Sie Ihren Hund besser
verstehen, möchten wir Ihnen einige wesentliche Punkte
vorstellen, die Sie unbedingt beachten und die Ihnen ständig
vor Augen sein müssen.
Der
Hund kann Sie nicht verstehen, er spricht eine andere Sprache als
wir.
Wir
müssen ihm also deutlich verständlich machen, was wir
von ihm erwarten.
Ganz
wichtig ist es dafür zu wissen, dass der Hund über
fünf Sinne verfügt:
Sehen
– Hören – Riechen – Schmecken
und Fühlen
(Hautsinne,
Oberflächensensibilisierung).
Mit
diesen Sinnen erfasst er seine Umwelt.
Das
Hauptsinnesorgan „Nase“ nimmt unterschiedliche
Witterung jeglicher Art auf und ist unter Anderem in der Lage aus einem
mit Stallmist gedüngtem Feld noch die Witterung eines Hasen
oder Fasans heraus zu filtern. Der Hund hört sehr gut, sieht
aber relativ schlecht gemessen an dem Leistungsvermögen der
anderen Sinnesorgane.
Da
Geruchs- und Geschmackssinn eng miteinander verbunden sind, sind diese
ebenfalls sehr stark ausgeprägt.
Bleibt
noch das Fühlen, das für die Grundausbildung von
großer Bedeutung ist. Dies zeigt ein praktisches Beispiel,
das das Zusammenwirken der verschiedenen Sinnesorgane bei der
Ausbildung veranschaulichen soll:
Stellen
Sie sich bitte vor, Sie möchten Ihrem Hund beibringen ins Auto
zu springen. Der übliche und allen bekannte Befehl hierzu
lautet „Hopp“.

Wie reagiert Ihr
Hund?
M i t V e r s
t ä n d n i s l o s i g k e i t !
Ich
habe bereits vorher erwähnt, er spricht nicht unsere Sprache.
Sie können diesen Befehl noch oft verzweifelt wiederholen, er
wird ihn nicht verstehen und folglich auch nicht ausführen.
Versuchen
wir es jedoch über die Ansprache mehrerer Sinne, haben wir
bestimmt mehr Erfolg: Der Hund hört den Befehl
„Hopp“ und sieht das Klopfen der Hand auf den
Rücksitz. Dies erzeugt Aufmerksamkeit und Interesse. Mit
unseren Händen helfen wir ihm den Rücksitz zu
erklettern. Diese Anleitung gibt ihm auch das Gefühl der
Sicherheit. Und nun muss noch etwas Besonderes geschehen:
Der
Hund hat eine Leistung vollbracht, die belohnt werden muss –
er bekommt sein Leckerchen. Damit sprechen
wir diesmal seinen Geschmacks- und Geruchssinn an.
Natürlich
können Sie nicht erwarten, dass er nach wenigen Wiederholungen
schon alles perfekt beherrscht. Der Lernprozess dauert seine Zeit.
Deshalb wiederholen Sie den Vorgang so lange, bis Sie merken, dass der
Hund „verstanden“ hat. Danach reicht der Befehl
„Hopp“ oder das Klopfen mit der Hand und der Hund
wird den Befehl ausführen. Er hat zwei unterschiedliche
Befehlszeichen kennen gelernt und wird in Zukunft auch darauf
reagieren.

M o t i v a t i o
n i m U m g a
n g m i t H u
n d e n
In
der Hundeausbildung ist neben der altersgerechten Ausbildung die
positive Motivation (durch Belohnung) gleichermaßen wichtig.
Wie kann man einen Hund motivieren? Ein Hund ist ein hoch soziales
Lebewesen und spezialisierter Jäger. Mit Nahrung,
Ersatzjagdspiele und Sozialkontakt lassen sich unsere Hunde leicht
motivieren. Bei der Motivation durch Belohnung stehen Ihnen vier
Möglichkeiten der Motivation zur Verfügung, die zur
positiven Verstärkung dienen:
➢ eine
freundliche
Stimme, Streicheleinheiten Leckerchen, Spielen.
Bei
der Motivation über die Stimme müssen Sie Ihre
Tonlage verändern - freundlich, einschmeichelnd. Wie sonst
sollte der Hund sonst unterscheiden, ob er gelobt oder getadelt wird,
wenn unsere Stimme beide Male gleich bleiben würde?
Der
Hund lernt sehr schnell, diesen Unterschied zu
erfassen.
Ein
verbal angefeuerter Hund arbeitet mit großer Begeisterung ! !
! Herr und Hund sind ein Gespann geworden, das zusammen arbeitet.
Dieses Zusammenspiel ist bewundernswert.
Unsere
Hunde reagieren auch auf Demotivation wie Schmerz
(z.B. Ruck an der Leine für „Fuß
gehen“ oder Lefzendruck beim Apportieren). Der Hund zeigt
diesmal wenig Leistungsbereitschaft, er wird ängstlich und
scheu. Das besonders Negative dabei ist, dass der Hund dies alles mit
seinem Besitzer verknüpft. Eine gute Bindung zwischen Mensch
und Hund kann so nicht entstehen. Eine enge Bindung entsteht nur durch
Vertrauen zueinander. Das Vertrauen bekommt man, wenn man seinen Hund
über positive Motivation trainiert.
Nun
wird die Leistung Ihres Hundes beim täglichen Training oft
unterschiedlich ausfallen. Die Leistungsbereitschaft eines Setters, wie
auch jeder anderen Rasse, hängt von mehreren Faktoren ab:
➢ dem Gespür,
Geschick, Wissen und Einfühlungsvermögen seines
Besitzers;
➢ dem
Leistungsvermögen eines Hundes, das von Hund zu Hund
unterschiedlich sein kann;
➢ der
Führigkeit des Hundes;
➢ der
Tagesform von Hund und Besitzer;
➢ dem
gesundheitlichen Zustand des Hundes;
Alle
Fehler, die ein Hund macht, sind in erster Linie Fehler seines
Ausbilders.
Er
lernt also auch negativ, das heißt, er lernt auch Dinge, die
er eigentlich nicht lernen sollte. Hier ein Beispiel
für diese negative Verstärkung:
Zwei
Riesenschnauzer stehen stundenlang auf dem Balkon und bellen. Die ewige
Kläfferei wird von den Besitzerinnen mit Streicheln und
Küsschen auf die Ohren „abgestellt“. Das
Spiel wiederholt sich fast jeden Tag, wenn es nicht von beiden Seiten
korrigiert wird.
Manchmal
reicht ein energisches Schimpfen, manchmal muss man aber auch zu
deutlicheren Mitteln greifen.
Wichtig
ist, dass der Hund begreift, dass er ständig in Ausbildung
ist. Nicht nur während des täglichen Trainings,
sondern auch zu Hause, im Garten, auf dem Balkon usw. Der Spaziergang
mit einem jungen Irish Setter ist wahrlich keine Erholung.
Wird
ein Befehl gegeben, hat ihn der Hund auszuführen und sein
Besitzer muss auf die Durchführung achten.
Ein
einmal gegebener Befehl wird durchgeführt und immer erst durch
den nächsten Befehl aufgehoben.
Auch
seine Freiheit kann der Hund auf Befehl genießen, er
empfindet hierbei keinen Nachteil.
Ein
Hund kann weder denken noch Überlegungen anstellen. Aber er
hat ein gutes Gedächtnis und kann Erlerntes speichern.
Er
lernt nicht nur über die Aktivierung seiner Sinne, sondern
auch durch Motivation und das Empfinden von Nachteilen, also
über Lob und Tadel.

E r z i e h u n
g u n d A u s
b i l d u n g
Nie
wieder wird Ihr Hund in einem lernfähigeren Alter sein als in
seinen ersten Lebensmonaten. In dieser Zeit schaffen Sie einen Kontakt
zwischen ihm und sich selbst; Sie lernen Fehler, die er begeht, zu
erkennen und zu verhindern und werden, wenn Sie es richtig machen,
bestimmt nichts, akzeptieren, was später
einmal als lästige oder unangenehme Eigenschaft des Hundes
gesehen werden könnte. Lassen Sie nie etwas zu, was
Sie später einmal bereuen könnten, da es Sie dann
stört.
Wenn
der Welpe zu Ihnen in sein neues Heim kommt, haben Hundemutter und
Züchter schon sehr viel für seine Erziehung getan.
Die Prägungs- und Sozialisierungsphase – beides
wichtig für ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Hund
– ist kurz.
Von
seiner Mutter hat der kleine Hund gelernt auf Lob und Tadel zu
reagieren.
Ein
deutliches Knurren oder Brummen signalisierte Fehlverhalten, eine fast
als liebevoll zu bezeichnende Tonlage zeigte an, dass alles in Ordnung
war.
Genau
diese unterschiedlichen Stimmlagen sollten wir bei der Erziehung und
Ausbildung des Welpen als Mittel der Kommunikation verwenden, denn
Liebe und Zuwendung alleine erziehen keinen jungen
Hund.

UND NUN ZU DEN ERSTEN
AUSBILDUNGSSCHRITTEN:
L e i n e n f ü h r i g k e i
t
Unsere
heutige Infrastruktur lässt es nicht oder nur noch selten zu,
dass Hunde überall frei laufen können. Umso wichtiger
ist es, Ihren Welpen so früh als möglich an die Leine
zu gewöhnen. Besorgen Sie sich eine leichte Leine mit dazu
gehörender Halsung, bitte weder Kettenleine noch
-halsung.
Beim
ersten Üben mit der Leine gehen sie nur wenige Schritte am
besten in vertrauter Umgebung. Nehmen Sie sich Zeit und haben Sie
Geduld. Belohnen Sie jeden Fortschritt mit einem Leckerchen, sparen Sie
nicht mit Lob und bald wird sich Ihr Welpe seinem Schicksal ergeben.
Damit beginnt die eigentliche Ausbildung, deren Ziel es ist, dass der
Hund dicht an Ihrer linken Seite neben Ihnen geht ohne zu ziehen oder
abrupt stehen zu bleiben. Wie erreicht man das bei einem so
temperamentvollen Hund wie es der Setter eben einmal
ist? - Mit viel Training, Geduld
und Konsequenz.
Mit
einem kurzen, leichten Ruck an der Leine ziehen Sie ihn wieder in die
richtige Position, verbunden wird das mit dem Befehl „bei
Fuß“. Ist der Welpe wieder an Ihrer Seite belohnen
Sie ihn mit Lob und Leckerchen.
Ihr
Hund lernt: Ziehen ist unangenehm, „bei
Fuß“ bringt nur Vorteile. Nach spätestens
zwei Wochen sollte er diese Lektion gelernt haben. Danach folgt Teil
zwei der Übung: Ihr Welpe an der Leine soll lernen sich
gehorsam zu setzen, wenn Sie stehen.
S i t z
Gehen
Sie mit ihm einige Schritte „bei Fuß“ und
bleiben Sie dann stehen. Bei dem Befehl Sitz“
drücken Sie leicht mit der Hand die Kruppe des Hundes nach
unten, die Leine wird dabei gestrafft. Diese Lektion muss mehrmals
hintereinander wiederholt werden, danach erhält der Hund
wieder seine Belohnung. Versuchen Sie es nie mit Härte, der
Welpe wird hierauf nur störrisch reagieren. Wenn er das
„Sitz“ beherrscht, kombiniert man die
Übung mit der Leinenführigkeit. Laufen Sie mit Ihrem
Hund mit durchhängender Leine, bleiben Sie stehen, durch ein
leichtes Anspannen der Leine und dem Befehl
„Sitz“ muss der Hund dicht an Ihrem linken Bein die
Übung „Sitz“
ausführen. V o r s i t z e n
Dies
können Sie Ihrem Hund spielerisch beibringen. Rufen Sie ihn,
zeigen Sie ihm einen Belohnungshappen und verbinden Sie, wenn er vor
Ihnen steht, die Belohnung mit dem Befehl „Sitz“.
Er wird sich automatisch hinsetzen, schon um die Belohnung besser sehen
zu können. Führt er die Übung korrekt aus
(und auch nur dann), bekommt er sein Leckerchen.

H e r a n r u f e n
Rufen
Sie ihren Welpen mit dem klaren Befehl „hier“ zu
sich, verbinden Sie den freundlich gesprochenen Befehl mit einem
optischen Reiz, z. B. ein leichtes Klopfen mit der Hand auf den
Oberschenkel und lassen Sie ihn vorsitzen, wie oben beschrieben. In den
meisten Fällen wird hierzu am Anfang eine Feldleine als
verlängerter Arm nötig sein, da der kleine Hund nicht
aus freien Stücken zu Ihnen kommen wird. Es folgt die
übliche Belohnung bei Gelingen der Übung. Auch hier
führt Geduld und ständiges Wiederholen zum
Ziel.
S i t z u n
d b l e i b
Wenn
Ihr Hund den Befehl „Sitz“ korrekt
ausführt, ergänzen Sie das Ganze mit dem Befehl
„bleib“. Betont wird dies durch das optische Signal
eines erhobenen Zeigefingers. Versuchen Sie, wenn der Hund ruhig sitzen
bleibt, ihn zu umkreisen. Bewegen Sie sich schneller, wenn Sie sich aus
dem Blickfeld des Hundes bewegen (also hinter ihm sind). Verlangsamen
Sie die Übung, wenn er Ihren erhobenen Zeigefinger deutlich
sehen kann. Vergrößern Sie den Kreis je nach Erfolg,
der Hund wird dabei lernen ruhig sitzen zu bleiben. Beenden Sie auch
hier jede erfolgreiche Übung mit einer Belohnung.

P l a t z
Eine
für den jungen Setter wichtige Übung ganz anderer
Art, die optimal im Wohnzimmer trainiert werden kann, ist das
„Platz“. Es ist von besonderer Wichtigkeit dem
Welpen rechtzeitig diesen Befehl beizubringen, da er, wenn
gründlich und dauerhaft geübt, verhindert, dass der
junge Hund hektisch wird, jeden eintretenden Besucher anspringt und
auch sonst das Wohnzimmer zum Spielplatz
umfunktioniert.
Voraussetzung
ist, dass der Hund einen eigenen, genau definierten Liegeplatz hat
– Hundekorb, Decke etc, aber nicht das Sofa, da die
Springbewegung der positiven Entwicklung seiner Hüftgelenke
entgegensteht.
Legen
Sie den Welpen an den für ihn vorgesehenen Platz und
drücken ihn sanft mit dem Befehl „Platz,
bleib“ in eine Liegeposition. Versucht er aufzustehen,
wiederholen Sie die Übung mit einem ernsteren bis energischen
Ton. Steigern Sie die Dauer der Übung täglich um eine
Minute bevor Sie dann anschließend belohnen. Günstig
ist, wenn in der Anfangsphase nur die Bezugsperson, die die
Übungen mit dem Hund durchführt, anwesend ist. In der
späteren Phase sind Ablenkungen sogar
willkommen.
Diese
Übungen sind eine hervorragende Basis, auf die man alle
anderen jagdhundetypischen Ausbildungseinheiten wie
„Down“, „Apportieren“ und
Ähnliches aufbauen kann. Überfordern Sie jedoch Ihren
Welpen am Anfang nicht, erst wenn die Grundübungen gefestigt
sind, lohnt sich ein
Weitermachen.
Haben
Sie einen Hund erworben, der später für den
Jagdgebrauch eingesetzt werden soll, ist es wichtig, dass seine
jagdlichen Anlagen früh gefördert werden. Wenn Ihnen
in diesem Bereich die Erfahrung fehlt, wenden Sie sich bitte an einen
Fachmann.

10 G r u n d s
ä t z e b e i
m W e l p e n k a u f
| 1. |
Der
Kauf eines Welpen sollt nach reichlicher, längerer
Überlegung, nach einer gründlichen
Aussprache in der Familie erfolgen.
|
| 2. |
Ein
Setterleben dauert 10 – 15 Jahre! Das sollte bedacht sein. |
| 3. |
Für
einen Welpen braucht man viel Zeit, viel Geduld und viel Liebe. |
| 4. |
Ein
Setterwelpe sollte in einem Haus mit eingezäuntem
Grundstück aufwachsen können.
|
| 5. |
Tägliche,
regelmäßige Spaziergänge gehören
zu einem Setterleben. |
| 6. |
Zur
Urlaubszeit will ein Hund nicht abgeschoben werden. Am liebsten ist er
im Urlaub dabei. |
| 7. |
Der
Kauf sollte nicht wahllos und unbedacht erfolgen: Nur
VDH-Züchter sind angehalten, nach streng festgelegten
Zuchtkriterien zu züchten, sonstige Urkunden sind
häufig phantasievolle, nichtssagende Papierstücke. |
| 8. |
Ein
Besuch beim Züchter sollte einen positiven Eindruck
hinterlassen. Ein Kauf aus Mitleid kann böse Folgen haben. |
| 9. |
Ein
guter Züchter beantwortet gerne alle Fragen zu den Erbanlagen
der Elterntiere, zur Pflege, Ernährung und Gesundheit und
hilft auch gerne mit Tipps für die Ausbildung und Erziehung
weiter. |
Wenn
man nach reichlicher Überlegung einen kleinen Hund erworben
hat, sollte man nie vergessen, dass es sich um ein Lebewesen handelt,
das es verdient hat, mit Würde behandelt zu werden.

Missverständnisse im
Zusammenleben
zwischen Mensch und Hund
Ich
habe mich immer gefragt, warum ein Wolf so schwer (oder gar nicht) zu
domestizieren ist und warum aber die“ lieben“
Wölfe, die in Wildgattern leben, zu Menschen so zutraulich
sind. Jeder kennt die Bilder von Eric Ziemen,
begrüßt von seinem
Wolfsrudel.
Die
Erklärung ist einfach: Diese Wölfe akzeptieren den
Menschen als Teil des Rudels oder als
Rudelführer, in ihrer gewohnten
Umgebung, in einem Umfeld, das sie kennen, in einem Rudel, in dem sie
sich geborgen fühlen.
Aber
ein Wolf würde nie bei Tag an der Leine durch eine
Großstadt spazieren, an der Straßenbahnhaltestelle
von zahlreichen unbekannten Wesen umringt sein wollen, tatenlos auf der
Couch liegen oder von infernalen Silvesterkrachern malträtiert
werden. All dies erträgt der Hund und noch viel
mehr.
Warum?
Weil
er schon vom ersten Tag an die Welt des Menschen herangeführt
wird. Die Gerüche des Menschen sind seiner kleinen Nase
vertraut, bevor er sehen kann. Er genießt
dessen Hände, weil sie
warm sind, ihm ein Wohlgefühl geben und ihm später
die Futterschüssel reichen. Er darf seine Zähnchen an
weichen Fingern testen, die Welt ist in Ordnung, der Mensch ist Teil
davon.
(Doch
wehe, wenn es nicht so ist, wenn er in einem dunklen Verschlag ohne
Bezug zum Menschen aufwächst - er bleibt ein
kleiner, scheuer
„Wolf“.)
Nach
zwei Monaten in der Obhut des Züchters und der Mutter ist es
mit der Idylle vorbei. Auf dem Arm von Menschen, die anders riechen,
Gott sei Dank umhüllt von einem Tuch mit Geruchspartikeln aus
der alten Welt, führt der Weg nahtlos in die neue.
Für die meisten Welpen ist es die erste Autofahrt.
Motorenlärm, Straßenlärm (selbst wenn
vorher Bruchfetzen davon in den behüteten Garten drangen, kein
Vergleich) brechen auf ihn ein.
Ab
jetzt wird dem Hund viel abverlangt.
Wo
ist das Rudel, das ihm Sicherheit gibt? Er tastet
sich an seine neuen Rudelmitglieder heran, vorsichtig nimmt er sie an,
schließlich bringen sie ihm die neue Futterschüssel,
gut, dass der Brei noch derselbe ist. Doch der Garten sieht so geordnet
aus, keine Kuhlen zwischen den Büschen, kein bekannter Geruch,
keine vertraute Stelle, wo man sein Häufchen setzen konnte.
Er ist auf sich allein gestellt und wehe, wenn das
neue Rudel nicht schnell das alte ersetzt.
Dann
ist es der Anfang einer langen Kette von
Missverständnissen.
Geht
alles gut, hat der Kleine nach
einigen Wochen festgestellt, dass der neue Rudelführer sich
vielleicht sogar vor seinen Zähnchen
fürchtet, also setzt man ihm ordentlich
zu, diesem sanften selbsternannten
„Hundeflüsterer“ oder
man merkt, dass man als Hund schneller ist als jeder
„Rudelmensch“ und entscheidet selbst, ob und wann
man bei oder nach einem Spaziergang angeleint wird oder besser nicht.
Man hat es diesen „Softies“ gezeigt und man hat
sich mit einem halben Jahr zum Rudelführer
„gemausert“. Im alten Rudel hätte es von
der Hundemama Ohrfeigen gesetzt. Der Junghund sucht die Herausforderung
und wehe wenn keiner da ist, der ihn sanft und
konsequent in die Schranken weist, wenn er übermütig
knurrt, um die Menschen das Fürchten zu lehren.
Ein Flegel wächst heran, der alles hetzt,
was ihm in die Quere kommt.
Gerät
der Welpe an einen Tyrannen, der jedes Fehlverhalten mit
„Polizeigewalt niederknüppelt“,
wächst ein verkümmertes Wesen
heran.
Die
schlimmsten Hundebesitzer sind die humorlosen Pedanten.
Auseinandersetzungen mit einem Hund müssen sein, doch danach
muss es auch die “Versöhnung“
geben.
Ist
der Welpe zum Posieren auf der Couch verdonnert und bleibt ihm die
restliche Welt
vorenthalten, ergeht es ihm nicht
besser.
Empfehlung:
Setzen Sie sich nach den Tagen der Eingewöhnung mit dem Welpen
auseinander, bestimmen Sie die Dauer des Spiels (das wichtig ist
für die Festlegung der Rangordnung), bestimmen Sie die
Ruhephasen (zum „Herunterfahren“), legen Sie bei
kleinen Spaziergängen den Radius fest. Dies und noch viel mehr
erwartet Ihr kleiner Hausgenosse von Ihnen. Doch er erwartet auch, dass
sie zur Versöhnung mit ihm spielen, ihm zeigen, dass er zum
Rudel gehört.
Und
selbst wenn der Hund Glück hat und der
Mensch sich als aufgeklärter Rudelführer entpuppt mit
theoretischem und (wichtiger!) und praktischem Wissen, kann noch
einiges schief gehen , kaum etwas, das nicht reparabel ist, aber
manches vermeidbar.
Es
gibt „Missverständnisse“, die von Mensch
und Hund nicht gewollt sind, die aber Auswirkungen auf seine
Entwicklung und seinen Charakter haben.
Ein
Welpe kann es nicht verstehen, dass er im neuen Zuhause aus dem Rudel
isoliert wird und zum Beispiel in der Küche schlafen soll,
angeblich, damit er sich sofort an seinen neuen Schlafplatz
gewöhnt. Er wird die ganze Nacht
erbärmlich jammern. Nur Züchter
wissen, wie Welpen schreien, wenn sie sich mit sechs Wochen im Garten
verlaufen haben und plötzlich alleine sind. Für einen
Wolfswelpen wäre das der sichere Tod. Man stelle sich vor, was
in einem zwei Monate alten Welpen vorgeht, der allein in den Zwinger
verbannt wird. Gott sei Dank ist diese Haltung bei Setter Liebhabern
nur die groteske Ausnahme.
Empfehlung:
Ein Hundekorb in Bettnähe, oder besser ein oben offener
„Zimmerkennel“, damit jederzeit eine streichelnde
Hand beruhigen kann. Letztere neue Erfindung hat bei entsprechender
Größe auch den Vorteil, dass der Welpe schnell
stubenrein wird, da kein „Nestbeschmutzer“.
(Natürlich ist das keine Aufforderung, einen Hund sein Leben
lang im Käfig zu halten, er gehört in die Familie,
nur hier kann er sich richtig entfalten.)
Der
besorgte Welpenkäufer wird zu Hause sofort eine Mahlzeit
für den Neuankömmling zubereiten. Die wenigsten aber
stürzen sich sofort auf das (hoffentlich
vom Züchter mitgegebene) Futter.
Selbst,
wenn man auf der Heimfahrt alles richtig gemacht hat und der Welpe sich
richtig an den neuen Menschen kuscheln konnte, kann ihm übel
sein oder es sind die neuen Eindrücke, die ihn vom Fressen
abhalten oder er vermisst seine Geschwister und die
Rangelei um den Fressnapf.
Beim
Fressen entwickeln sich zahlreiche Missverständnisse zwischen
Mensch und Hund.
Die
neuesten Erkenntnisse über die Erforschung von Spiegelneuronen
(spezielle Verschaltungen von Nervenbahnen im Gehirn, die für
das Einfühlungsvermögen des jeweiligen Individuums
zuständig sind) beim Menschen haben ergeben, dass es eine
größere Übereinstimmung der
Verschaltungen zwischen Mensch und Hund gibt als
zwischen Mensch und Schimpanse, obwohl mit letzterem 98% genetische
Übereinstimmung besteht. Der Hund kann sich also in unsere
Gefühlswelt hineinversetzen, es besteht aber auch das Risiko
einer potentiellen Überforderung.
Zu
dieser kommt es, wenn der besorgte Mensch an seinem Welpen verzweifelt,
der konsequent die Futteraufnahme verweigert, zuletzt nur weil, er
einen nervösen, verärgerten und ratlosen Menschen vor
sich hat. All das kann er erkennen, das Unwohlsein des Menschen
überträgt sich auf ihn und jetzt kommt es zur
falschen Verknüpfung. Er glaubt, das hänge mit dem
Futter zusammen. Also wird er es umso mehr ablehnen. Ein
Teufelskreis.
Die
Fallbeispiele sind zahlreich, die Variationen von tragisch bis lustig.
Eine alte Dame, die Nächte lang mit dem Futternapf am Bettchen
des Welpen saß oder ein Herr, der seine Mahlzeiten am
Couchtisch einnahm, auf der einen Seite sein Teller, auf der anderen
der Napf des Hundes, dies mit der Hoffnung Futterneid zu
erzeugen.
Empfehlung:
Gehen sie die Sache gelassen an, zwingen sie keinen Hund zum Fressen.
Frist der Hund weniger, sorgen sie dafür, dass die Nahrung mit
zusätzlichen Mineralien und Vitaminen versehen
ist.
Auf
psychischen Druck bei Futteraufnahme reagiert jeder Hund mit Ablehnung.
Vor Jahren gab es einen Hundebesitzer, der seinen Hund
buchstäblich vor Ausstellungen zwang Fleischhappen zu
schlucken, weil er ihn zu dünn glaubte, ein
unwürdiges Drama für Hund und
Mensch.
Hunde
bevorzugen einen bekannten Löseplatz, also
entschließt sich ein Welpe erst mit voller Blase sich zu
entleeren und das kann dauern, weil er den neuen Garten nicht kennt. Es
ist unvernünftig, von einem Welpen zu erwarten, dass er dies
auf einem Spaziergang tut in einer völlig fremden Umgebung mit
zahlreichen neuen optischen und akustischen Reizen, die ihn in
Panik versetzen.
Auch
in diesem Bereich gibt es die besagte Fehlverknüpfung.
Reagieren Sie nie mit Unmut auf einen jungen Hund, der sich nicht
sofort löst. Er wird ihr Verhalten mit dem Löseplatz
verbinden und diesen erst recht meiden.
Hunde
meiden natürlich auch „vollgepflasterte“
oder vollurinierte Löseplätze. Für eine
sensible Hundenase muss dies ein Gräuel sein. Ich habe nie
verstanden, wie Schweizer Gemeinden erwarten können, dass sich
Hunde auf ihren kleinflächigen Hundetoiletten lösen.
Die Geschäfte seines Hundes auf
öffentlichen Wegen zu beseitigen, ist etwas
Selbstverständliches und kann nicht hinterfragt
werden.
Empfehlung: Bei
vielen Züchtern befindet sich außen ein
Löseplatz mit Holzspan, Stroh oder Sägemehl. Lassen
Sie sich etwas von diesem Material mitgeben und streuen Sie es im
Garten an die Stelle des neuen Löseplatzes. Welpen, die
Zeitungen kennen, nehmen auch diese gerne an.
Verzweifeln
sie nicht, wenn sie im Regen stehen und der Hund sein Geschäft
nicht schnell erledigt. Unmut oder Ungeduld
führt im Gehirn des Junghundes zu einer falschen
Verknüpfung. Er wird Regen als etwas
Unangenehmes abspeichern und in Zukunft versuchen zu
meiden.
Problematisch
wird es auch, wenn ein junger Hund Menschen auf Reisen begleitet. Die
neue Umgebung schafft immer wieder neue Eindrücke, die
für den Welpen enorm wichtig sind, der Besitzer braucht aber
sehr viel Geduld und Zeit, um den jungen Hund mit jeder neuen Situation
vertraut zu machen.
Ähnlich
oder für den Hund noch komplexer ist der Besuch der ersten
Ausstellung in einer Halle für den jungen
Hund. Es ist gegen Ausstellungen überhaupt nichts einzuwenden,
wenn der Hund vorsichtig in dieses Umfeld eingeführt wird. Ich
habe viele Hunde erlebt, welchen die Ausstellung Spaß macht,
natürlich aber auch vor Wut kläffende Hunde in einer
kleinen Box.
Einen
Hund im Ring vorzuführen, setzt wochenlange Vorarbeit voraus.
Damit der Richter einen Hund beurteilen kann, muss dieser sich
entspannt und nicht verkrampft präsentieren. Das muss
geübt sein.
Dazu
gehört für den Hund die positive
Verknüpfung. Diese erreicht man durch
Belohnungshäppchen und tägliches
„Hinstellen“. Versucht man das erst einige Tage
davor oder am Tag der Ausstellung, kommt für Hund und
Vorführer Nervosität dazu, was unweigerlich zum
Gegenteil führt. Der Hund verbindet die
Ausstellung mit etwas Negativen. Eine
nachträgliche Korrektur kann dauern. Bei meinem Richten in
England beeindruckte mich der sanfte Umgang mit den Hunden bestimmt
genauso wie deren Erscheinungsbild.
Es
gibt so viele schöne Geschichten zu diesem
Thema: Fenja, die mich ohne Leine durch die
Menschenmassen begleitet und unangeleint auf Frauchens Jacke gebettet
ihrem Auftritt entgegendöst und weiß, dass sie zum
richtigen Augenblick erwachen muss, um sich temperamentvoll zu
präsentieren, ist nur eine
davon. Natürlich gibt es auch
Gegenbeispiele. Hunde, die häufig durch mangelndes
Einfühlungsvermögen des Besitzers nur mit Widerwillen
eine Halle betreten.
Empfehlung:
Bringen Sie viel Zeit mit, dies besonders beim Betreten der Halle.
Bleiben Sie mit Ihrem Hund in der Nähe des Eingangs, spielen
Sie mit ihm, belohnen Sie ihn und schaffen Sie im Kopf
Ihres Hundes eine positive Verknüpfung zu
dem neuen Umfeld. Ein
ausstellungserfahrener Begleithund, der die Halle
gelassen betritt, gibt dem jungen Hund Sicherheit.
Leider verfügt eine Ausstellungshalle über
einen ausgeprägten Geräuschpegel
an den Ihr Hund sich erst gewöhnen muss. Bereiten Sie Ihren
Hund mit viel Freundlichkeit und genügend Vorlauf auf diesen
Auftritt vor.
Schwieriger
ist eine Vorbereitung, durch die man die erste Silvesterknallerei, die
auf den jungen Hund buchstäblich hereinbricht,
„abfedern“ kann.
Das
Repertoire von Hunden, die sich unter der Couch, im Kleiderschrank oder
im letzten Winkel des Schlafzimmers verkriechen, versehentlich einen
Böller vor die Nase geschossen bekommen und ein Leben lang
schussscheu sind, ist riesig.
Wenn man nicht die Möglichkeit hat, ins
„ballerfreie“ Ausland (und das liegt nicht nahe der
deutschen Grenze) zu reisen, „muss man
durch.“
Doch
man kann als Besitzer(Familie) viel tun.
Empfehlung: Leisten
Sie Vorarbeit, indem Sie die sporadischen harmloseren Böller
der Nachbarkinder nutzen um Ihren jungen Hund
„aufzubauen“. Geben Sie ihm nicht das
Gefühl, dass dieser Krach etwas Besonderes ausmacht, tun sie
so, als würden Sie selbst die
Knallerei ignorieren, spielen (toben)Sie dabei
verstärkt mit ihrem Hund. Versuchen Sie eine positive
Verknüpfung herzustellen.
Am
Silvesterabend nutzen Sie am besten die Zeit des Abendessens
für den letzten Spaziergang. Es ist die Zeit, in der sich die
Schießwütigen für den
„Kampf“ stärken und Sie
könnten Glück haben und Ihr Hund kann in Ruhe sein
Geschäft erledigen.
Bleiben
Sie an diesem Abend, wenn Sie einen jungen Hund haben, zu Hause. (Bei
Nachfrage kann ich Ihnen im Interesse Ihres Hundes ein herrliches
Silvestermenü zusammenstellen.)
Wenn
es richtig losgeht, schließen Sie die Rollläden,
spielen Sie mit Ihrem Hund: Zum Beispiel Plastikflaschen durch den Flur
rollen und einiges mehr. Auch ein Fernseher oder eine Stereoanlage, die
dem Hund nicht unbekannt sein dürfen, können sich als
nützlich erweisen.
Wenn
Sie auf Ihren Hund eingehen, überstehen Ihr Hund und Sie
unbeschadet diesen Abend. Bei uns hat es immer geklappt. (Traurig nur
für die armen Hunde, die diese Nacht im Zwinger
verbringen.)
Läuft
alles gut, ist der Hund um eine Erfahrung
reicher.
Das
Heranführen an neue optische und akustische Reize macht ihn
alltagstauglich für unsere moderne Welt. Ein junger Hund ist
neugierig und für viel Neues offen, wenn er den
Rudelführer an seiner Seite
weiß.
Empfehlung:
Suchen Sie nicht das Besondere, konfrontieren Sie ihren Hund mit
normalen alltäglichen Situationen: fremde Menschen,
Straßenlärm, Fahrzeuge, Leuchtreklamen etc.
In
manchen Hundeclubs gibt es Wesenstests, die ich für sehr
sinnvoll halte. Ehrgeizige Besitzer/Züchter bereiten ihre
Hunde auf diese Prüfung vor, indem sie mögliche
abzuprüfende Situationen nachstellen, dabei wäre es
so einfach, den Hund nur mit der alltäglichen Welt zu
konfrontieren. Ein gut dressierter Zögling wird
Flatterbänder ignorieren, den Lärm der
Motorsäge tolerieren aber vor einer Gruppe vorbeiziehender
Kinder Reißaus nehmen.
Im
Erwachsenenalter kommt dann noch eine sinnvolle Beschäftigung
dazu, denn es ist nichts schlimmer für einen Hund , als zum
Müßiggang verurteilt zu sein.
Es
kommt einer psychischen Verarmung gleich. Der Tatendrang „ist
einem Welpen in die Wurfbox gelegt“. Wenn man einen Junghund
nicht beschäftigt, werden Teppiche und Schuhe in
Mitleidenschaft gezogen. Missverständnisse sind
vorprogrammiert, da drakonische Strafen, die viel später
folgen, von ihm als Willkür gedeutet werden. Nur wenn Sie den
„Missetäter“ auf
frischer Tat ertappen, ist ihr Reagieren sinnvoll.
Einen
Hund beschäftigen heißt aber nicht, ihn
unkontrolliert durch die Gegend laufen lassen und
dabei mit dem Handy durch die Welt telefonieren. Auch beim Spaziergang
muss ein reger Kontakt vorhanden sein.
Entzieht
sich Ihr Hund Ihrer Aufsicht und hetzt alles, was sich am Horizont
bewegt, ist die Strafe für den endlich eingefangenen Hund
sinnlos, er kehrt nicht als reuiger Sünder zurück, er
kehrt zurück, da er sich nach dem Rudel
„sehnt“. Sinn macht es nur, wenn die
Möglichkeit besteht, ihm beim Zurückkommen schimpfend
eine ordentliche Entfernung entgegenzulaufen, um ihm zu
zeigen, dass sein Weglaufen ein Fehler war. Diese Reaktion verbindet er
mit seinem Davonlaufen und es entsteht keine falsche
Verknüpfung.
E
i n H u n d w i l
l a r b e i t e n.
Auch
die lieben und ausgeglichenen Hunde wachsen als Jagdhunde über
sich hinaus. Der Wolf, der Beute machen möchte, wird wieder
zum Leben erweckt. Es gibt kein Bild, das auf mich beeindruckender
wirkt, als ein Hund, der fest vorsteht. Diese Konzentration, diese
Kraft und das Hochgefühl, wenn das Wild abstreicht, berauschen
mich immer wieder aufs Neue.
Jahrzehnte
lang schufen Hundeführer bewusst Fehlverknüpfungen im
Kopf des Hundes, indem sie das Verfolgen des Wildes durch einen
Stromstoß unterbanden (Teletaktgerät). Das
flüchtende Wild wird mit Schmerz assoziiert und darauf
verzichtet der Hund. Doch bei gründlicher Ausbildung geht es
auch anders. Dann muss natürlich das Zusammenspiel Hund
– Hundeführer stimmen. (Übrigens geht die
Wissenschaft heute davon aus, dass Stromschläge beim Hund
Epilepsie auslösen können.)
Natürlich
kann nicht jeder mit seinem Hund im Feld arbeiten. Es gibt so viele
Möglichkeiten Ersatz zu schaffen: Apportiertraining,
Gehorsamstraining, Agility, etc.
Erst
durch die Arbeit mit dem Menschen entsteht eine Partnerschaft.
Natürlich steht der Part des Rudelführers dem
Menschen zu. Ich habe oft festgestellt, wenn ein Hundebesitzer zum
Beispiel seinem Hund das perfekte Apportieren beigebracht hat (d.h.,
der Wolf überlässt dem Rudelführer die
Beute), sind die Fronten geklärt und der Hund ordnet sich dem
Menschen freiwillig unter.
Wer
mehrere Hunde besitzt, weiß, dass Hunde im Gegensatz zu
Wölfen bis ins hohe Alter spielen (die Wissenschaft bezeichnet
dies als neotenes Verhalten, also ein Verhalten, das stets kindlich
bleibt). Im diesem Spiel klären sie die
Rangordnung, bauen Aggressionen ab und soziale
Bindungen werden gefestigt. Beim Einzelhund ist der Mensch gefragt.
Spielerisch kann er seine Position deutlich machen. Wie langweilig muss
für einen Hund ein Besitzer sein, der nicht mit ihm spielt.
Ein Hund achtet den Menschen als (übergeordneten)
Sozialpartner.
Letzte
Empfehlung: Lassen Sie Ihren Hund Hund sein, erarbeiten Sie sich
schrittweise im Alltag Ihre Rolle als Rudelführer und
genießen Sie das Zusammenleben mit einem Hund, der sich Ihnen
freiwillig unterordnet, weil er sie achtet.
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