
„ N a c h d e n
k l i c h e s “
Gefühlsempfindungen
eines Hundes ( Jim Willis )
Es
geht um eine Hundeerzählung von Jim Willis, die ich
auszugsweise wiedergeben möchte:
„Als ich noch ein Welpe war,
unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du
nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe
und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester
Freund.
Immer, wenn
ich böse war, erhobst Du Deinen Zeigefinger und fragtest mich
"Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest
mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen.
Mit meiner
Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet,
denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir
das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen
ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und
Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben
könnte schöner nicht sein. Gemeinsam machten wir
lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto,
holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn
"Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und
ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf
Deine abendliche Rückkehr wartete.
Allmählich
fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner
Karriere zu verbringen und auch damit, Dir einen menschlichen
Gefährten zu suchen.“
Kurze
Unterbrechung, denn nun erfolgt eine Beschreibung des Hundes
über das veränderte Leben dieses Hundes an der Seite
seines Herrchens nach der Gründung einer Familie, der
Karriere, der Ehefrau, die Hunde nicht mochte, Kleinkinder, die den
Hund zerrten etc.
„Sie, jetzt Deine Frau, ist kein
"Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim
willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr.
Ich war glücklich, weil Du glücklich warst...
Nur dass Du
und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen ( den Kindern )
wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen
Zimmer oder in meiner Hütte.
Deine
Berührung war jetzt so selten
geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn
es nötig gewesen wäre....
Es gab einmal
eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund
hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und
erzähltest Geschichten über mich. In den letzten
Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und
das Thema gewechselt. Ich hatte mich von
"Deinem
Hund" in "nur einen Hund"
verwandelt,
und jede Ausgabe für mich wurde Dir ein Dorn im Auge.
Jetzt hast Du
eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und
sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet
sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen,
aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.
Ich freute
mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch
nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du
fülltest die Formulare aus und sagtest:
"Ich
weiß, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden".
Mit einem
Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie
wissen, was Hunden oder Katzen in "mittleren" Jahren erwartet, auch mit
"Stammbaum".
Du
musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen,
als er schrie:
"Nein,
Papa! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!"
Und ich machte
mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht
hattest: Über Freundschaft und Loyalität,
über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor
allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt,
meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die
Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich
auch einen.
Nachdem Du fort warst, sagten
die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit
Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um
ein gutes Zuhause für mich zu finden.“
Nun
erfolgt eine Schilderung des hoffnungslosen Wartens auf sein Herrchen,
auf den verlorengegangen Lebensmut, Fressunlust etc.
„Ich hörte ihre Schritte
als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen und trottete hinter ihr
her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger
Raum.
Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es
sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl
geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der
Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit
abgelaufen.
Meiner Natur gemäß war ich aber eher um sie besorgt.
Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich,
genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.
Behutsam
legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während
eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre
Hand, um siezu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren
getröstet hatte.
Mit
geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein.
Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die
kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief,
wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre
gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest
Du nur?"
Vielleicht
verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es
tut mir ja so leid".
Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre
Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald einem besseren Ort
wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt
werden könnte oder auf mich allein gestellt wäre -
einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser
irdische Ort.
Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines
Schwanzes zu verstehen geben, dass mein "Wie konntest Du nur?"
nicht ihr gegolten hatte.
Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde
für immer an Dich denken und auf Dich warten.
Möge
Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.