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Das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund
hat mich fasziniert und bewegt. Es war mir stets ein Anliegen dieses
komplexe Verhältnis in meinen Erzählungen zum
Ausdruck zu bringen.
Doch
es gibt eine Geschichte, die dennoch so schwer in Worte zu fassen ist,
da so einfach, so groß und so wahr.
Eine Frau
und ihr Hund - eine Kurzgeschichte
Alles
begann mit einer Autofahrt.
Der
Mann blickte zu seiner Frau auf den Beifahrersitz. Sie hielt ein
Settermädchen im Arm, das sich fest an sie presste. Das
Setterkind blickte unentwegt zu ihr hoch, so als wollte es flehen: “Bitte
bringt mich nie mehr zurück.“ Die Frau
erwiderte, so als hätte sie den Blick verstanden:
„Ich verspreche es dir.“
Der
Mann war noch zu sehr mit dem vorher Erlebten und dem traurigen
menschlichen Umfeld beschäftigt, in welches der Welpe
hineingeboren wurde: Verlustängste? Liebe, die zu Hass wurde?
Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom?
Und
auch er sagt laut: “Auch ich verspreche Dir, wir werden dich
beschützen vor allem Lautem und Bösen, allen zum
Trotz.“
Das
Setterkind verbringt unbeschwerte Tage mit der neuen Familie in
Frankreich, spielt im Garten und wenn es müde wird,
schläft es auf Schoß der Frau ein.
Aber
irgendwie ist dieser kleine Setter anders als alle Welpen, die
vorher bei der Familie aufwuchsen. Trotz seiner hervorragenden Nase
geht er nicht auf Erkundungstouren, sondern hält sich immer im
Umfeld der Frau auf und folgt ihr auf Schritt und Tritt, wie die
Gänseküken von Konrad Lorenz es taten. Ihre erste
Autofahrt auf dem Arm der Frau hatte eine Bindung aufgebaut
für ein ganzes Leben.
Anfangs
denkt man, es gäbe vielleicht körperliche
Beschwerden, die ihren Bewegungsdrang hemmen. Sie wird von einem
Tierarzt gründlich durchgecheckt. Sie ist kerngesund.
Manchmal
aber, wenn sie in ihrer Nähe nicht nur Wild vermutet,
sondern dank ihrer ausgezeichneten Nase über dessen Existenz
Bescheid weiß oder mit ihrer Freundin aus dem Odenwald
unterwegs ist, dreht sie auf und quittiert ihre Aktion mit einem
perfekten Vorstehen, um nach dem Abstreichen des Federwilds sofort
wieder die Nähe der Frau zu suchen.
Aber
sie ist wahrlich kein „Prüfungshund“,
der sich herumkandieren lässt.
Über
ein Feld hetzen, wenn ihre Nase ihr im Vorfeld sagt, dass
es kein Wild gibt, nur um „Finderwillen“ zu zeigen,
weil dies ihr befohlen wird, findet sie blöd. Und die
erschrockenen Volierehühner sieht sie nicht als Wild,
wahrscheinlich tun sie ihr leid.
Im
menschlichen Umfeld fühlt sie sich wohler. Sie hat
längst verstanden, dass die meisten Menschen nicht laut,
sondern lieb sind und eine ist für sie die liebste. Sie blickt
die Frau mit ihren Kastanienaugen an und weckt Erinnerungen an
Generationen.
Sie
beherrscht aber auch die Fähigkeit mit ihrer
Beschützerin verbal (Quengeln, Fiepen, Jaulen, Piensen) oder
nonverbal (durch Blicke) zu kommunizieren.
Es
sind vielfältige „verschlüsselte
Gespräche“, diese öffentlich wiederzugeben,
wäre ein Vertrauensbruch beiden gegenüber. Meist geht
es um die Futterabfolge, deren Begriffe der menschlichen Speisefolge
entlehnt sind oder Erziehungsmaßnahmen, die
überflüssig sind und deshalb nicht fruchten.
„Angeblich“ reagiert „die
Kleine“, die in der Zwischenzeit zu einer stattlichen
Setterdame herangewachsen ist, auf das Wort „Steh“.
Mehr ist aber auch nicht nötig.
Eines
ist aber sicher: die beiden Mädels, wie die Frau die
Kleine und ihre Halbschwester nennt, sind zwar unserer Sprache nicht
mächtig, verstehen aber jedes Wort.
Gut,
dass sie nicht schreiben können, sonst würden
sie bei jeder Zurechtweisung eine Akte anlegen, die jeden Stasibericht
in den Schatten stellen würde.
Und
die Frau ist stolz, wenn ihr kluger Hund vom Spaziergang an ihrer Seite
einen Apfel nach Hause trägt. Die Frau meint: „Es
ist besser einen Apfel als ein „vergammeltes“
Kaninchen zu apportieren“.
Und
wenn sich eine Autotür öffnet, nimmt „die
kleine Lady“ die Gelegenheit wahr und stürmt hinein.
Insgesamt liebt sie das Auto der beiden, sie erkennt es sogar am
Motorgeräusch, denn alles begann mit einer Autofahrt, ihrer
erste Fahrt in eine neue, schönere Welt.


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