|
Epilepsie
Die
Grundlagenforschung bei der Epilepsie beim Hund steckt im Vergleich zur
Forschung in der Humanmedizin noch „in den
Kinderschuhen“. Da viele Forschungsarbeiten in der
Neurobiologie aber am Tiermodell (also mithilfe von Tierversuchen)
durchgeführt werden, ist eine Übertragbarkeit der
Ergebnisse aus der Humanforschung durchaus legitim.
Hier
eine kurze, stark vereinfachte Übersicht:
Neben
den zahlreichen neuropathologischen und psychischen Faktoren, die
Krampfanfälle auslösen können, kennt man
heute etwa 21 Gene, die an der Vererbung der idiopathischen Epilepsie
beteiligt sind. Diese beinhalten Informationen zur Bildung von
Proteinen, die die Informationsübertragung im zentralen
Nervensystem regulieren.
Die
intensive Forschung über mehr als 15 Jahre beim Menschen zeigt
aber, dass es für die Mehrheit der Epilepsie-Fälle
keine genetischen Ursachen gibt und dass die vererbten Formen auch
nicht auf ein Erbschema beschränkt sind. Man kennt Formen von
der autosomal dominanten Vererbung (also einer der Elternteile gibt die
Krankheit an seine Nachkommen auf jeden Fall weiter), die
mitochondriale Vererbung (die krankheitsauslösenden Faktoren
werden von der Mutter über die Eizelle vererbt), die
x-chromosomale Vererbung (die krankheitsauslösenden Faktoren
liegen auf dem X-Chromosom) oder auch rezessive Erbgänge.
In
Tiermodellen hat sich jedoch gezeigt, dass es häufig
multifaktorielle Komponenten sind, die dann auch zu unterschiedlichen
Erscheinungsbildern führen können. So kann es durch
eine Mutation (genetisch bedingte Veränderung) an einem
Teilbereich von Kanalproteinen (Eiweiße, die Kanäle,
also Öffnungen in der Außenhülle der
Nervenzelle bilden)zu einer Blockade besagter Kanäle und einer
damit verbundenen, fehlerhaften Informationsübertragung kommen
(ähnlich wie bei der Entstehung von Migräne z.B.),
andererseits sind aber auch Varianten möglich, die diese
Kanäle ständig offen halten und es so zur
Übererregung der Nervenzellen und zu einem synchronen
„Informationsfeuern“ kommt, eben zu dem besagten
„Gewitter im Gehirn“.
Interessant
ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass zahlreiche „de
novo - Mutationen“ gefunden wurden, das heißt,
Veränderungen, die sich entweder erst bei der Bildung von
Keimzellen ergeben oder auch erst während der
Embryonalentwicklung auftreten können. In diesen
Fällen sind die Eltern an der Ausprägung solcher
Epilepsie-Formen unbeteiligt.
Am
häufigsten zeigten sich aber Fälle von postnatalen,
also erst nach der Geburt eingetretenen Veränderungen
sogenannter Kalium-Ionenkanäle, die zu einer Verhinderung,
Dämpfung oder Absenkung hemmender Aktionen der
Nervenzellverschaltungen führen und so wiederum die oben
beschriebene Übererregung auslösen. Hierbei spricht
man dann von syndromaler Epilepsie oder einfacher von
Krampfanfällen, die aber eine andere Ursache haben und nur
begleitend (komorbid) mit anderen Krankheitsbildern einhergehen. Hierzu
zählen Fehlbildungen oder Störungen des
Stoffwechsels, auch des Stoffwechsels der Mitochondrien, der sog.
„Kraftwerke der Zelle“, also Zellbereiche
(Zellorganellen), die für den Energiestoffwechsel
zuständig sind. Auch Veränderungen der
Großhirnrinde oder Syndrome, die mit Lernschwierigkeiten und
kognitiven Beeinträchtigungen verbunden sind sowie
Migräne können von Krampfanfällen begleitet
werden.
Lernen
heißt immer, also auch beim Hund, Umweltreize und Erfahrungen
erfassen, verarbeiten und „abspeichern“.
Umwelteinflüsse,
die von allen Sinnesorganen wahrgenommen werden, gelangen an die
unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche im Gehirn, werden
dort verarbeitet, interpretiert und auch abgespeichert. Diese Prozesse
verlaufen in geregelten, vorgegebenen Nervenbahnen.
Manchmal
werden „Lernbahnen“, die normalerweise geordnet
verlaufen, unkontrolliert und schlagartig stimuliert. Auch dies
führt zu besagtem „Gewitter im Gehirn“,
einem Krampfanfall.
Was
ist also die Schlussfolgerung? Krampfanfälle sind
häufig eben nicht erblich bedingt, es gibt eine
große Anzahl unterschiedlicher Ursachen.
Dabei
bedarf es auch beim Hund immer eines Auslösers, das
heißt, eines (Umwelt)-Reizes, der zu solchen
„Kurzschlüssen im Gehirn“ führt.
Wichtig
ist es, die auslösenden Faktoren zu kennen.
Manche
dieser Ursachen können durch die Tiermedizin diagnostiziert
werden:
Hormonelle
Ursachen(z.B. Schwankungen des Blutzuckerspiegels, falsche
Konzentration von Geschlechtshormonen, gestörter
Ionenhaushalt), Stoffwechselerkrankungen, z.B. auch Lebererkrankungen,
anatomisch- pathologische Veränderungen (Tumore, Geschwulste),
traumatische Erfahrung als Auslöser.
Tierärzte
vermuten, dass z.B. auch Stress ein solcher Auslöser sein
kann, dies wird uns von der humanmedizinischen Forschung
bestätigt. Diese Liste lässt sich beliebig
verlängern.
Wenn
die Ursachenforschung abgeschlossen ist und zu keiner Diagnose
geführt hat, gehen Fachleute von einer vererbten Disposition,
also einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit
auftreten kann.
Leider
wird ein Krampfanfall oft zu voreilig für eine erbliche
Epilepsie gehalten, die es natürlich auch beim Hund gibt und
die man nicht wegdiskutieren kann. Auch beim Hund bestätigen
die neuesten Forschungen, dass es keinen einheitlichen Erbgang der
idiopathischen Epilepsie gibt. Am häufigsten wird ein
polygener Erbgang vermutet. Und hier beginnt die Schwierigkeit
für den Züchter. Konkrete Aussagen über das
Risiko beim Auftreten von Epilepsie bei einer Verpaarung lassen sich
schwer treffen. Man sollte aber beachten, dass gehäuftes
Auftreten von Epilepsien in bestimmten Linien auf eine idiopathische
Epilepsie schließen lässt und dass eine
Weiterzüchtung dieser Linien nicht sinnvoll ist.
Generell
gilt jedoch: ohne einen entsprechenden Auslöser tritt die
Krankheit nicht auf.
Studien
bei Menschen haben gezeigt, dass Auslöser, die gezielt
verabreicht werden (z.B. kurze, bewusst nicht wahrnehmbare Lichtblitze)
auch ohne nachweisbare Disposition bei 80% der
zufallsmäßig ausgewählten Probannten nach
einer bestimmten Zeit Krampfanfälle auslösen. Deshalb
sollte man die Sache nicht nur vorschnell auf die Genetik
„schieben“, sondern eben auch Ursachenforschung
betreiben, sich auf die Suche nach Auslösern zu begeben.
Hierzu
ist es notwendig Daten und Fakten zu sammeln, zu vergleichen und
auszuwerten. Wir wissen noch viel zu wenig über die
Gefühlswelt der Hunde im Zusammenleben mit dem Menschen oder
über missverständlich entstandene Stress-Situationen.
Die neuesten Erkenntnisse über die Erforschung von
Spiegelneuronen (spezielle Verschaltungen von Nervenbahnen im Gehirn,
die für das Einfühlungsvermögen des
jeweiligen Individuums zuständig sind) beim Menschen haben
ergeben, dass es eine größere
Übereinstimmung der Verschaltungen zwischen Mensch und Hund
gibt als zwischen Mensch und Schimpanse, obwohl mit letzterem 98%
genetische Übereinstimmung besteht. Der Hund kann also unsere
Gefühlswelt verstehen, ist damit aber auch dem Risiko einer
potentiellen Überforderung ausgesetzt.
Wichtig
wäre zu wissen, welche Stress-Situationen zum Beispiel
Anfälle auslösen.
Bekannt
sind Überforderungen bei Arbeitshunden, Sexualstress bei
Rüden, Trennungsstress (wenn Menschen Koffer für den
Urlaub packen und der Hund bereits die Erfahrung gemacht hat, er kann
nicht mit).
Doch
es wird in einem Hundeleben noch viele weitere belastende Situationen
geben.
Solange
es keine zielgerichteten molekularbiologischen Verfahren gibt, die eine
idiopathische Epilepsie eindeutig nachweisen, ist die Suche nach den
Auslösern von Krampfanfällen für den
Hundehalter mit Sicherheit von großer Bedeutung. Dies ist als
eine Art Prophylaxe zu sehen. Kennt man die Auslöser, kann man
sie unter Umständen gezielt vermeiden. Und wenn man dadurch
nur die Anzahl der Anfälle verringern kann, erspart man sowohl
Hund als auch Mensch viel Leid.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hüftgelenkdysplasie (HD)
In
der Bekämpfung der Hüftgelenkdysplasie (HD) kann man
Erfolge feststellen. In Deutschland trägt die konsequente
Auswertung seit einigen Generationen Früchte.
Besonders
bei jungen Hunden ohne viel Muskelmasse zeigt sich die HD recht
früh: Schwierigkeiten beim Aufstehen oder unstete Bewegung.
Gewissheit
gibt es aber nur durch ein Röntgenbild, denn es gibt Hunde,
die gute Hüften haben und „schlacksig“
laufen und andere mit schweren Hüftgelenkschäden, die
aber durch Training genug Muskelmasse gebildet haben und bis ins Alter
äußerlich unauffällig bleiben.
Da
die HD mit aller Wahrscheinlichkeit polygen vererbt wird, das
heißt, dass mehrere Gene an der Ausprägung des
Hüftgelenks beteiligt sind (beim Menschen sind es mittlerweile
17 bekannte Gene), wird es wahrscheinlich nie eine völlig
HD-freie Zucht geben können, aber unsere HD-Statistik liest
sich positiv.
Dennoch
beobachten wir mit Missfallen die Auswertungspraktiken einiger
Nachbarländer, Hunde in dem Land auswerten zu lassen, in dem
es die besten Ergebnisse zu erwarten sind.
Ältere
Studien haben bereits die Position vertreten, dass Aufzucht und
Fütterung eine Disposition auf HD verstärken
können. Hier könnten epigenetische Einflüsse
mit auf die Hüftgelenkausbildung einwirken.
Junge
Hunde bis zu einem Jahr sollten ausreichend Bewegung haben.
Stundenlange Spaziergänge oder ständiges
Treppenlaufen (wenn Müdigkeit einsetzt) wirken sich
natürlich auf das Skelett aus.
Viel
zu eiweißreiche Ernährung führt zu
schnellem Knochenwachstum. Kalzium und Phosphat können sich
aber nicht in gleichem Maße einlagern und es kommt zu
Deformationen. Auch kann sich die Muskulatur, die den Gelenken
Stabilität verleiht, nicht in gleichem Maße
ausbilden. Deshalb sind Grünlippmuschel-Präparate zu
empfehlen, da sie die Einlagerung von Kalzium und Phosphat in die
Knochenmasse fördern.
In
den Ländern der FCI gibt es bezüglich der HD folgende
Klassifizierungen:
A
- Frei
B
- Verdacht
C
- Leicht
D
- Mittel
E
- Schwer
In
manchen Ländern wie z.B. in Deutschland richtet sich die
Bewertung immer nach der schlechteren Hüfte, in anderen
Ländern, wie z.B. der Schweiz, werden beide Hüften
getrennt bewertet. Großbritannien hat ein abweichendes
Klassifikationssystem, hier wird der Aufbau jeder Hüfte mit
einer bestimmten Anzahl von Punkten versehen. Je kleiner die Punktzahl,
desto besser die jeweilige Ausprägung. Beide Hüften
des Hundes erhalten eine bestimmte Punktzahl. Ein Hund mit der
Bewertung 3/3 verfügt über ausgezeichnete
Hüften. Von Hunden, die mit 25/25 ausgewertet sind (die in
England auch noch zur Zucht verwendet werden), sollte man für
die Zuchtverwendung Abstand nehmen. Bei Hunden mit 5/5 oder
ähnlicher Kombination (also insgesamt bis 10) gibt es keine
Bedenken.
Die
abenteuerlichen Umrechnungstabellen des englischen Systems in
FCI-Auswertungen, die kursieren, weichen die Erkenntnisse der
„Hartung Schule“ diesbezüglich auf.
Die
Tiermedizinische Hochschule Hannover geht bei der Erforschung der HD
neue Wege. In einem molekulargenetischen Programm beim
Schäferhund wurden sogenannte „Marker“
für die Ausprägung von HD identifiziert. Findet man
solche Marker bei einem Hund, ist genetisch die Veranlagung
für eine HD gegeben. Ob sich diese wiederum ausprägt,
hängt aber auch von äußeren Faktoren ab und
lässt sich über einen molekularbiologischen Test
nicht vorhersagen. Bei der Zuchtauswahl der Elterntiere könnte
ein solcher Test jedoch in Zukunft eine große Rolle spielen.
Man ist dabei das Programm auch auf andere Rassen zu
übertragen.
Hormonelle
Ursachen(z.B. Schwankungen des Blutzuckerspiegels, falsche
Konzentration von Geschlechtshormonen, gestörter
Ionenhaushalt), Stoffwechselerkrankungen, z.B. auch Lebererkrankungen,
anatomisch- pathologische Veränderungen (Tumore, Geschwulste),
traumatische Erfahrung als Auslöser.
Tierärzte
vermuten, dass z.B. auch Stress ein solcher Auslöser sein
kann, dies wird uns von der humanmedizinischen Forschung
bestätigt. Diese Liste lässt sich beliebig
verlängern.
Wenn
die Ursachenforschung abgeschlossen ist und zu keiner Diagnose
geführt hat, gehen Fachleute von einer vererbten Disposition,
also einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit
auftreten kann.
Leider
wird ein Krampfanfall oft zu voreilig für eine erbliche
Epilepsie gehalten, die es natürlich auch beim Hund gibt und
die man nicht wegdiskutieren kann. Auch beim Hund bestätigen
die neuesten Forschungen, dass es keinen einheitlichen Erbgang der
idiopathischen Epilepsie gibt. Am häufigsten wird ein
polygener Erbgang vermutet. Und hier beginnt die Schwierigkeit
für den Züchter. Konkrete Aussagen über das
Risiko beim Auftreten von Epilepsie bei einer Verpaarung lassen sich
schwer treffen. Man sollte aber beachten, dass gehäuftes
Auftreten von Epilepsien in bestimmten Linien auf eine idiopathische
Epilepsie schließen lässt und dass eine
Weiterzüchtung dieser Linien nicht sinnvoll ist.
Generell
gilt jedoch: ohne einen entsprechenden Auslöser tritt die
Krankheit nicht auf.
Studien
bei Menschen haben gezeigt, dass Auslöser, die gezielt
verabreicht werden (z.B. kurze, bewusst nicht wahrnehmbare Lichtblitze)
auch ohne nachweisbare Disposition bei 80% der
zufallsmäßig ausgewählten Probannten nach
einer bestimmten Zeit Krampfanfälle auslösen. Deshalb
sollte man die Sache nicht nur vorschnell auf die Genetik
„schieben“, sondern eben auch Ursachenforschung
betreiben, sich auf die Suche nach Auslösern zu begeben.
Hierzu
ist es notwendig Daten und Fakten zu sammeln, zu vergleichen und
auszuwerten. Wir wissen noch viel zu wenig über die
Gefühlswelt der Hunde im Zusammenleben mit dem Menschen oder
über missverständlich entstandene Stress-Situationen.
Die neuesten Erkenntnisse über die Erforschung von
Spiegelneuronen (spezielle Verschaltungen von Nervenbahnen im Gehirn,
die für das Einfühlungsvermögen des
jeweiligen Individuums zuständig sind) beim Menschen haben
ergeben, dass es eine größere
Übereinstimmung der Verschaltungen zwischen Mensch und Hund
gibt als zwischen Mensch und Schimpanse, obwohl mit letzterem 98%
genetische Übereinstimmung besteht. Der Hund kann also unsere
Gefühlswelt verstehen, ist damit aber auch dem Risiko einer
potentiellen Überforderung ausgesetzt.
Wichtig
wäre zu wissen, welche Stress-Situationen zum Beispiel
Anfälle auslösen.
Bekannt
sind Überforderungen bei Arbeitshunden, Sexualstress bei
Rüden, Trennungsstress (wenn Menschen Koffer für den
Urlaub packen und der Hund bereits die Erfahrung gemacht hat, er kann
nicht mit).
Doch
es wird in einem Hundeleben noch viele weitere belastende Situationen
geben.
Solange
es keine zielgerichteten molekularbiologischen Verfahren gibt, die eine
idiopathische Epilepsie eindeutig nachweisen, ist die Suche nach den
Auslösern von Krampfanfällen für den
Hundehalter mit Sicherheit von großer Bedeutung. Dies ist als
eine Art Prophylaxe zu sehen. Kennt man die Auslöser, kann man
sie unter Umständen gezielt vermeiden. Und wenn man dadurch
nur die Anzahl der Anfälle verringern kann, erspart man sowohl
Hund als auch Mensch viel Leid.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Megaösophagus (MO)

Schon vor einigen Jahrzehnten hatten
wir hehre Ziele. Die Ermittlung des Vererbungsmodus der
Speiseröhrenlähmung (Megaösophagus oder kurz
MO) sollte durch Einbeziehung der Wissenschaft (Uni Heidelberg und
Berlin) angegangen werden.
Jahre
später mussten wir feststellen, dass die Erfolge bescheiden
waren, da wissenschaftliche Forschung sehr teuer ist und bei polygenen
Erbkrankheiten wie MO „in den Kinderschuhen
steckt“. Die Zusammenarbeit mit den Züchtern
gestaltete sich schwierig. Durch das Einschicken der verstorbenen
Welpen an die Uni Berlin war das Problem längst nicht behoben.
Auch die vom niederländischen Club eingeführte
Methode der Käuferbefragung, zum Beispiel „Wie
füttern Sie Ihren Hund? Frisst er erhöht vom Tisch?
Ist die Nahrung fest oder breiig?“, konnte diese Erbkrankheit
nicht ausrotten.
Das
Einzige, das ich erreicht hatte, war, die Sensibilität der
Züchter für dieses gravierende Problem zu
fördern.
In
Erinnerung wird mir ewig der zehnseitige Brief einer Züchterin
über das qualvolle Sterben von zehn Welpen an MO bleiben. So
etwas geht einem nicht mehr aus dem Kopf.
Symptome
der Erkrankung:
Bei
dieser Krankheit fehlt die Innervierung der Speiseröhre
gänzlich oder teilweise (degenerative periphere Neuropathie).
Die erste Form zeigt sich gleich nach der Geburt. Beim Trinken
fließt bei den Welpen Milch aus der Nase, da diese durch die
fehlende Peristaltik der Speiseröhre nicht in den Magen
transportiert werden kann.
Weil
die Welpen aber bei einer etwas weniger stark ausgeprägten
Form etwas Milch aufnehmen können, bleiben sie am Leben. Ihr
Zustand verschlechtert sich jedoch täglich. (Häufig
kommt eine Lungenentzündung hinzu, da die nicht abgeschluckte
Milch in die Atemwege gelangt.) Nach dem Trinken ist ein starkes
Röcheln zu hören. Es ist bei der Diagnose Vorsicht
geboten, da gesunde, gierig trinkende Welpen sich ebenfalls
verschlucken können. Der entscheidende Unterschied ist nur,
dass bei diesen nach kurzer Zeit das Röcheln aufhört
und sie nach dem Trinken ruhig schlafen.
Es
zeichnet sich ab, dass die genetisch bedingte Form dieser Krankheit
polygen vererbt wird. Eine komplementäre Ausprägung
(bei beiden Elternteilen müssen passende Teilstücke
vorhanden sein) ist dabei am wahrscheinlichsten.
Eine
zweite Ausprägung mit ähnlichen Symptomen(
persistierender rechter Aortabogen , PRA) offenbart sich erst mit der
Aufnahme von festerer Nahrung (nicht zu verwechseln mit der
„echten“ (kongenitalen
Speiseröhrenlähmung).Der Welpe kann den dickeren
Futterbrei nicht schlucken und wird verzweifelt eine Ecke suchen um
diesen wieder herauszuwürgen.
Bei
Züchtern ist diese Variante als „Rechts –
Aorta“ bekannt. Es ist eine Missbildung der Aorta, die sich
normalerweise aus der 4. linken Kiemenbogenarterie des Embryos bildet,
und normalerweise ohne Probleme an der Speiseröhre
vorbeiführt. Entwickelt sich die Aorta aus dem rechten 4.
Kiemenbogen, schnürt sie allmählich im Herzbereich
die Speiseröhre ein und es kommt zu den gleichen Symptomen wie
der MO. Da die Milch aber diese Stelle noch passieren kann, wird der
Defekt erst bei Aufnahme von etwas festerem Futter bemerkbar.
Ein
Röntgenbild wird für Klarheit sorgen.
Hier
kann man jedoch nicht zwingend von einer genetisch bedingten Krankheit
ausgehen, sondern von einer angeborenen Erkrankung, die im Verlauf der
Embryonalentwicklung zu der geschilderten Missbildung führt.
Es
ist anzunehmen, dass auch Frühgeburten mit nicht
vollständig abgeschlossener Entwicklung davon betroffen sein
können.
Ähnliche
Symptome wie bei einer Speiseröhrenlähmung sind z.B.
bei einer Überreizung des „Nervus
Phrenicus“, der für die Innervierung des vegetativen
Nervensystems im Hals- und oberen Thoraxbereich zuständig ist,
oder z.B. bei einer Entzündung der Speiseröhre
festzustellen.
Es
ist also nicht leicht zu diagnostizieren, welches der Auslöser
der Symptome ist. Auch lernt der Hund beim Verabreichen von breiiger
Nahrung mit Dilatationen der Speiseröhre umzugehen.
Wenn
aber mit Hunden, die genetisch bedingte Formen der MO (kongenitale MO)
aufweisen, weitergezüchtet wird, sind die Folgen verheerend.
Gewissheit
schafft meist ein Röntgenbild, leider erst häufig
nach der 5. Woche. Oben genannte Entzündungen sind dadurch
leider nicht feststellbar.
Dem
Welpen werden in der Tierarztpraxis weiche Futterkügelchen
vermischt mit Kontrastmittel verabreicht. Danach wird er sofort
geröntgt. Eine gesunde Speiseröhre hat die Breite
eines Bleistifts und der weiße Brei ist bereits im Magen.
Eine
kranke Speiseröhre ist partiell oder total
„ausgebeult“ und der Brei ist noch nicht
abgeschluckt.
Der
Erfolg chirurgischer Eingriffe bei einem
Speiseröhrenlähmung, egal welcher Ursache, ist
äußerst fraglich. Bei Formen mit nicht erblichen
Ursachen beschreibt die Literatur jedoch auch die Möglichkeit
einer spontanen Rückbildung der Symptome nach Abklingen der
Entzündungs- bzw. Reizungserscheinungen. Nach Forschungen
tiermedizinischer Hochschulen liegt der Anteil der erworbenen Formen
der MO zwischen 17 und 20%.
Ein
guter Tierarzt wird die richtige Entscheidung treffen. Insgesamt ist es
also wichtig bei dieser speziellen und komplexen Erkrankung den
richtigen Tierarzt zu konsultieren, bevor es zu einer Euthanasie des
Welpen kommt.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Magendrehung
Bei
den Roten besonders in England gefürchtet, aber auch bei uns
nicht neu.

Symptome:
Durch Gasbildung bläht sich der Magen auf und
vollführt eine Drehung, Ein-und Ausgang werden verschlossen,
die Blutversorgung wird unterbrochen, Nerven sterben ab. Ein
aufgeblähter harter Bauchraum, der sich zunehmend trommelartig
vergrößert, starker Speichelfluss, Versuch von
Erbrechen und Absetzen von Kot, gekrümmter Rücken,
unruhiges Hin- und Herlaufen, Kreislaufprobleme etc.
Schnelle
Hilfe ist nötig, da jede Minute zählt. Ein erfahrener
Tierarzt kann durch eine gekonnte Operation den Magen in seine
Ausgangsposition zurückbringen und fixieren.
Folgende
vorbeugende Maßnahmen sind sinnvoll:
2x
täglich füttern, jeweils gefolgt von einer
ausgiebigen Ruhephase.
Futter
vorher einweichen, kein Trockenfutter.
Verdorbenes,
gärendes Futter entsorgen und dem Hund nicht erneut vorsetzen.
Das
Trinken von schmutzigem Wasser unterbinden.
Aufnehmen
von Aas oder verdorbenen Lebensmittel auf Spaziergängen
unterbinden.
Nach
einem Spaziergang oder Training zuerst nur eine geringe Wassermenge zum
Trinken anbieten.
Ursachen:
Man
vermutet ein Zusammenwirken mehrerer auslösender Faktoren.
Häufig sind größere Hunde mit tiefem
Brustkorb betroffen (also auch der Irish Setter), da bei diesen der
Magen Platz hat eine Drehung durchzuführen.
Da
vorwiegend ältere Hunde (ab ca. 2 Jahren) davon betroffen
sind, geht die Wissenschaft von einer Bindegewebeschwäche der
den Magen befestigenden Bänder aus. Diese kann altersbedingt
sein, es gibt offensichtlich aber auch genetische Dispositionen.
Ein
Zusammenhang zwischen Speiseröhrenlähmung und
Magendrehung ist nicht auszuschließen. In einer schlaffen,
geweiteten Speiseröhre mit Futterresten können sich
Gase bilden zu einer Aufblähung und eventuellen Drehung
führen.
Leider
sind auch Fälle bekannt, bei welchen alle
Vorsichtsmaßnahmen eingehalten wurden und eine Magendrehung
trotzdem erfolgte. Nach Aussagen unseres Tierarztes sind es dann
oftmals verschluckte Gegenstände, die während einer
Notoperation zum Vorschein kommen. Die Palette reicht hier von Socken
und Strümpfen bis Plastikspielzeug. Also ist auch hier
Vorsicht geboten.
Einfache
Erbschemata
zum
monogen dominant-rezessiven Erbgang
Gen
für die Ausprägung eines
Merkmals: A
= gesundes Allel
a = krankes Allel
1.
Genotypen
der
Eltern: AA x
aa
Keimzellen
der
Eltern A A a a
Kombinationsmöglichkeiten
Aa Aa Aa Aa alle
daraus folgenden Genotypen
der Keimzellen,
alle
Nachkommen sind bezüglich dieses Merkmals
gleich.
2.
Genotypen
der
Eltern: Aa x
Aa
Keimzellen
der
Eltern A a A a
Kombinationsmöglichkeiten AA Aa Aa aa alle
daraus folgenden Genotypen
der
Keimzellen
die
Nachkommen sind zu 25% gesund (AA),
zu
50% Anlagenträger (Aa) und zu 25% krank
(aa)
3.
Genotypen
der
Eltern: AA x
Aa
Keimzellen
der
Eltern A A A a
Kombinationsmöglichkeiten AA AA Aa Aa alle
daraus folgenden Genotypen
der
Keimzellen
alle
Nachkommen sind phänotypisch gesund, die Hälfte ist
Anlagenträger.
Die
Prozentangaben entsprechen der Wahrscheinlichkeit des Auftretens,
bedingt durch die freie Kombination der Keimzellen bei der Befruchtung
können diese bei den Nachkommen eines Wurfes jedoch variieren.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
PRA (PRA rcd4) beim Irish Red Setter
Seit
den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt man beim Irish Red
Setter das PRA-Problem.
Progressive
Netzhautatrophie, rcd-PRA, ist eine genetische Störung, die
verursacht, dass die Zellen in der Retina (=Netzhaut) im Hintergrund
des Auges degenerieren. Bei der bereits länger bekannten Form
der PRA rcd1 beginnt diese Degeneration schon im Welpenalter und
führt zu einer baldigen Erblindung der betroffenen Tiere.
Durch gezielte Verpaarungen und später auch durch DNA-Tests
ist diese PRA-Form in der kontrollierten Setterzucht heute nicht mehr
existent.
Anders
verhält es sich bei der neuen Form, genannt PRA rcd4 oder
LOPRA (auch dem Englischen „late onset PRA“, also
eine spät auftretende PRA-Form). Zuerst scheinen die Zellen
hier normal zu wachsen, dann jedoch verlieren sie langsam ihre normale
Funktion. Dies führt in der Anfangsphase zur Nachtblindheit,
danach erblinden die befallenen Hunde zumeist, häufig erst im
Alter zwischen 8 und 10 Jahren. Die Degeneration kann aber durch eine
Untersuchung beim Augenspezialisten bereits früher
nachgewiesen werden.
Zuerst
nachgewiesen beim Gordon Setter, bestätigten sich im
Frühjahr diesen Jahres die Vermutungen, dass diese
Mutationsform auch beim Irish Red Setter existiert. Nachgewiesen wurde
dies durch einen DNA-Test, der von Genetikern des Animal Health Trust
(AHT) in England (Suffolk) entwickelt wurde.
Heute
ist dieser Standard und wird bei Irish Settern unter Anderem zur
Erlangung der Zuchttauglichkeit gefordert, soweit kein Nachweis der
Eltern vorliegt, und wird in Deutschland von der Firma LABOKLIN
durchgeführt.
Der
Vererbungsmodus entspricht der Immunschwächeerkrankung CLAD,
es handelt sich um einen rezessiv monogenen Erbgang. Das bedeutet,
reinerbig rezessive Tiere sind „krank“, sie werden
später mit großer Wahrscheinlichkeit erblinden. Sie
tragen den Genotyp aa. Heterozygote, also mischerbige Tiere, tragen das
Krankheitsgen in sich, sind aber in ihrem Erscheinungsbild
(=Phänotyp) gesund und werden mit Sicherheit auch nicht
erblinden – Genotyp Aa. Völlig gesunde Tiere haben
das kranke Gen nicht in ihrem Erbgut – Genotyp AA.
Will
man diese Erbkrankheit nicht im Erbgut unserer Roten anreichern,
bedeutet dies für die Zucht:
Tiere
mit dem Genotyp aa sollten nicht für die Zucht verwendet
werden.
Mischerbige
Tiere mit dem Genotyp Aa sollten nur mit gesunden Tieren (AA) verpaart
werden, die Nachzucht einer solchen Verpaarung wird dann zu 50%
mischerbige Tiere (Aa), zu 50% aber völlig gesunde Tiere
hervorbringen, die dann zur Weiterzucht verwendet werden
können.
Man
sollte diese Erbkrankheit durchaus ernst nehmen, die
züchterischen Auswirkungen aber nicht überbewerten,
da man durch bewusste Verpaarungen innerhalb kurzer Zeit erbgesunde
Tiere zur Weiterzucht erhalten kann.
Weiterhin
sollte man auch die laufenden Forschungen der Genetiker des AHT mit
einbeziehen, da sich bei den untersuchten Tieren in zwei
Fällen eine Erblindung weder auf die rcd1-Form, noch auf die
rcd4-Form der PRA zurückführen ließ.
Vermutlich handelt es sich hierbei um eine weitere, noch nicht
beschriebene Mutationsform, die, wenn sie erforscht ist, mit Sicherheit
auch in einen DNA-Test mit einbezogen werden kann.
Abgesehen
davon erblinden im Alter immer noch wesentlich mehr Hunde am Grauen
Star als an PRA rcd4.
|