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Z
u m Th e m a A b r i c h t e n (Rita
Müller) :
Konrad
Most sagt aus, dass beim Abrichten sich die größten
Nachteile aus dem Vermenschlichen ergeben. Die unausbleiblichen Folgen
sind : Überspannte Anforderungen sowie falsche Behandlung.
Gehörsinn,
Geruchssinn, Gesichtssinn, Hautsinn und Geschmacksinn sprechen nur auf
Reize an. Ein Sinnesreiz (z.B. Klappern mit Dosen etc.) ,den wir
absichtlich auf den Hund einwirken lassen, hat eine von uns erwartete
Rückwirkung zur Folge ( Reaktion).
Abrichten
ist die Gewöhnung an bestimmte Verhaltensweisen auf
gedächtnismäßiger Grundlage durch
absichtlich gesetzte Sinnesreize ( z. B.Erteilen von
Kommandos:“Sitz, Platz, Fuß, "Down", etc. =
Gehörreiz; Handzeichen usw. ).
Wie
es dazu kommt, dass der Hund lernt, auf den Gehörreiz
(“APORT“) zuzuschnappen ist so zu
erklären, dass der Hund von Anfang an stets gleichzeitig mit
dem Gegenstandbewegen den Befehl “Apport“
wahrnimmt. Auf diese Weise tritt zu der ererbten Verknüpfung
zwischen dem Reiz: Weglaufen der Scheinbeute und der
Rückwirkung: Zuschnappen nach einer Reihe von Wiederholungen
eine gedächtnismäßig hergestellte
Verknüpfung zwischen dem Gehörreiz
„APORT“ und dem Zuschnappen. Infolgedessen schnappt
der Hund auch dann zu, wenn man das „APORT“ allein
für sich gebraucht. Dieser Laut ist nun an die Stelle des sich
bewegenden Gegenstandes getreten. Er ist zur stellvertretenden
Einwirkung geworden. Demnach sind zu unterscheiden:
Ursprüngliche Einwirkungen als UNMITTELBARE ERZEUGER des
jeweils verlangten Verhaltens und STELLVERTRETENDE EINWIRKUNGEN, die
erst dann wirksam werden, wenn eine
gedächtnismäßige Verknüpfung
zwischen ihnen und dem gewünschten Verhalten hergestellt ist.
Bei
den stellvertretenden Einwirkungen handelt es sich jedoch stets um
reine Sinnesreize, und zwar in der Regel um Gehör- und
Gesichtsreize, weil diese Reize ein Lenken des Hundes aus der Ferne
ermöglichen. Denn Endziel der Abrichtung ist, DEN HUND SO
EINZUÜBEN, DASS MAN IHN IM ERNSTFALL OHNE
URSPRÜNGLICHE EINWIRKUNGEN ALLEIN MIT „ BEFEHLEN"
und „WINKEN" LEITEN KANN.
Man
sollte also immer wieder sich bewusst machen, so meine ich, dass der
Hund nur die zeitliche und räumliche Folge von Ereignissen im
Gedächtnis behält, ohne die Zusammenhänge
nach Ursache und Wirkung zu erfassen. Durch Erfahrungen ist
„bewiesen“, dass die Abrichtung auf
gedächtnismäßiger Grundlage allein zu
zuverlässigen Leistungen führt und dazu noch
erheblich schnelleres Lernen ermöglicht, als Einwirkungen, die
ein Denken des Hundes im menschlichen Sinne voraussetzen.
Die
Fähigkeit, Wahrgenommenes zu behalten, es sich zu merken und
es wieder hervorzubringen, sich daran zu erinnern, nennt man
GEDÄCHTNIS. Im zeitlichen Zusammenhang Erlebtes wird vom
Gedächtnis in dem gleichen Zusammenhang festgehalten.
Eine
wichtige Gruppe spielt ferner die Vielzahl der von der
Außenwelt auf den Hund wirkenden Sinnesreize. Unkenntnis
über ihre Wirkung verhindert erwünschte oder
führt zu unerwünschten Verknüpfungen, d.h.
zum Versagen des Hundes und dazu noch zu falschen Deutungen dieses
Versagens, was, wie stets, falsche Einwirkungen zur Folge hat.
Schließlich
spielen die von der Außenwelt ausgehenden Reize eine sehr
wichtige, bedeutsame Rolle. Es sind die Störungen, die die
Tätigkeit des Hundes fast ständig begleiten. Darum
sollten bei Übungen die ablenkenden Reize später mit
einbezogen werden, damit der Hund in der entscheidenden Stunde nicht
versagt.
Wenn
wir beim Lernen des Hundes nur sein Gedächtnis zu
berücksichtigen brauchten, dann ginge die Abrichtung leicht
vonstatten. Wir wissen, dass der Hund nicht alles von ihm Verlangte
freiwillig ausführt. So wird oft fälschlich gefragt,
ob man den Hund mit Liebe oder Zwang abrichten soll. Ein warmes Herz
ist sicherlich ein guter Helfer bei der Abrichtung. Allein bringt es
aber keine zuverlässigen Leistungen des Hundes zustande,
ebenso keine milde Behandlung, denn wer vermenschlicht, sieht ja
überall „böswillige“
Widerstände beim Hunde und wird diese entsprechend „
bestrafen“. Für die Abrichtung brauchen wir ein
warmes Herz sowie einen kühlen und wissenden Kopf, damit der u
n e n t b e h r l i c h e Zwang richtig angewandt wird.
Übrigens
kann man sagen: Nur wenn man den Hund erfahren lässt, dass das
an und für sich unangenehme Ausführen oder
Unterlassen eines Verhaltens sein eigener Vorteil ist , baut man die
Abrichtung richtig auf. Das ist Zweck des indirekten Zwanges. Auch der
Hund führt Unangenehmes aus, wenn er noch Unangenehmerem
entgehen kann. Er unterlässt Angenehmes, wenn es ihm durch
Unangenehmes verleidet wird. Von dem Nutzen, den dies
eigennützige Tun und Lassen dem Menschen bringt,
weiß unser Hund nichts. Darin hat es ebenso wenig Einsicht,
wie in den Grund der ihm vom Menschen zuteil werdenden Behandlung. Auch
wird sein Tun und Lassen nicht von sittlichen Beweggründen, z.
B. Ehrgefühl, geleitet. Daher kann man den Hund weder im
eigentlichen Sinne loben noch tadeln, weder belohnen noch strafen. Man
vermag ihm lediglich Unangenehmes und Angenehmes zuzufügen.
UNMÖGLICH SIND AUCH IN DIE ZUKUNFT WEISENDE STRAFANDROHUNGEN.
Der Hund kann „später“ keine
Verknüpfungen mehr herstellen. Für das hundliche
Verhalten sind die Gegensätze Annehmlichkeit und
Unannehmlichkeit in ihrer Wirkung bestimmend und richtunggebend. Dieses
sollte jedem HUNDEHALTER BEWUSST sein!!!!!
Die
Zwangeinwirkung werden beim Hund von Jugend auf dadurch wirksam, dass
auf Drohlaute und Drohbewegungen in der Regel Unangenehmes sich
unverzüglich anschließt . Wir sehen also, dass uns
Zwang in den verschiedensten Stärkegraden zur
Verfügung steht. Zwang ist bereits das Anheben der Pfote eines
Schoßhundes als ursprüngliche Einwirkung zum
Erlernen des Pfotengebens, Zwang ist der sanft mahnend gesprochene
Laut, der dazu dient, den Hund im Zimmer an seinen Platz zu verweisen,
stärkerer Zwang ist ein scharfer Ruck am Halsband. Auch der
weichherzigste Hundebesitzer kann also bei seinem Liebling nicht ohne
Zwang auskommen. Ohne Zwang keine menschliche Erziehung und keine
hundliche Ausbildung / Abrichtung. Hat ein Hund seine
„Aufgabe" gut durchgeführt, loben wir ihn mit
Liebeln, Streicheln, Anreichen von Leckerbissen und sogar mit den
Worten: “SO-ISBRAV“. Bewegungen und Lob sollten in
Einklang gebracht werden, denn der Hund verknüpft somit
schnell beide Gestiken, wenn es im direkten zeitlichen Zusammenhang
steht. Ein unerwünschtes Tun kann dem Hund dagegen nur
abgewöhnt werden, wenn gerade diejenigen Reize, die dieses Tun
hervorrufen, auf die Sinne des Hundes wirken und der Hund dabei
GLEICHZEITIG etwas Unangenehmes erlebt. Sind die in Frage kommenden
Sinnesreize von dem Unangenehmen, also von der
„Strafe“ zeitlich und räumlich getrennt,
so ist es nicht möglich die beabsichtigte Verknüpfung
herzustellen. Der Hund lernt dann etwas ganz Verkehrtes, was der Mensch
gar nicht beabsichtigt.

Noch
2 wichtige Dinge möchte ich erwähnen:
1)
Bitte beachtet bei allen Übungen verbunden mit den
erwünschten Erfolgen, dass die Zahl der Wiederholungen nicht
ausschließlich abhängt von der KLUGHEIT oder
DUMMHEIT des einzelnen Hundes. Es sprechen dabei auch mit die
Beschaffenheit und Stärke seiner Triebe. So würde z.
B. ein „kluger“ Hund mit starken Trieben
längere Zeit zum Erlernen einer Leistung brauchen, falls die
verlangte Leistung mit den Trieben nicht übereinstimmt, als
ein „dummer“ Hund mit schwachen Trieben.
2)
Im Laufe unserer Abrichtung / Ausbildung sollen die stellvertretenden
Einwirkungen mehr und mehr abgeschwächt werden: Die
Hörzeichen werden immer leiser gesprochen und für die
Sichtzeichen mehr und mehr schwächere
Körperbewegungen benutzt, denn unser Hund soll lernen, auf
möglichst schwache Reize das Gewünschte
auszuführen. Wir müssen uns immer wieder daran
erinnern, dass die Sinneswahrnehmungen unserer Hunde sehr stark
ausgeprägt sind. Dieses wird ja auch bei mir geübt:
Heranrufen
- Pfiff - Hand schwenkend - dann nur mit Zeichen!!!!! (Dieses gilt
für alle Übungen, denn jede Handbewegung, der
hochgerichtete Zeigefinger, die ausgestreckte flache Hand, der
hochgerichtete bzw. gestreckte Arm - alles sind Verknüpfungen,
welche der Hund lernen muss und auch lernt, wenn es in Schritten
geübt wird.)
In
diesem Sinne.........Rita Müller

T e i l 1: Das
Herankommen : Hörzeichen „hier“ oder Pfiff
(Doppelpfiff)
Man muss immer
sich
darüber bewusst sein, dass eine Verständigung DURCH
DIE SPRACHE bei unserem Hund nicht möglich ist. Da beim
Üben des Herankommens die Gefahr vermenschlichender Auffassung
besonders nahe liegt, sollte man sich vor Augen halten, dass der Hund
Sinn und Zweck der Übung nicht versteht. Lediglich ein
Sinnesreiz löst das Herankommen aus. Wenn aber in der
Außenwelt irgendein Reiz stärker ist als das
„hier“, so m u ß das Tier, seiner Natur
entsprechend, diesem stärkeren Reiz folgen. Eine
Zuverlässigkeit kann mithin niemals erreicht werden, wenn der
Hund unmittelbar im Anschluss an das Herankommen etwas Unangenehmes
erfährt. Der Hund muss also - entgegen menschlicher Auffassung
- auch dann stets liebevoll und liebkosend empfangen werden, wenn er
vorher etwas Unerwünschtes begangen hat, oder wenn er trotz
Zurufe oder Pfiffe nicht herangekommen ist.
Die
Anforderungen an
die Zuverlässigkeit des Herankommens dürfen nur
allmählich gesteigert werden. Es muss nochmals betont werden,
dass der Hund den BEGRIFF GEHORSAM nicht versteht. Darum beachtet, dass
bei den Übungen anfänglich oder auch bei Problemen
des Herankommens ablenkenden Einwirkungen zunächst aus dem
Wege zu gehen ist.
Bei Eintritt
einer
Ablenkung , so z.B., wenn ein anderer Hund naht, beugt man vor, indem
man den Hund anleint, ehe er selbst die Ablenkung wahrnimmt. Ist es
jedoch nicht mehr möglich, so lässt man seinen Hund
ruhig gewähren, denn er würde ja nicht auf Zurufe
oder Pfiffe reagieren. Bitte ruft also nur dann den Hund , wenn Ihr
Euch sicher seid, dass er 100%ig gehorcht. Ansonsten lernt der Hund,
dass er nicht kommen muss und bei fortwährendem vergeblichen
Gebrauch dieser Reize würde der Hund dagegen abstumpfen.
Einsetzende
Einwirkungen auf das Herankommen sollten vom ersten Tag an stattfinden.
Als ursprüngliche Einwirkungen kommen dabei das schnelle
gebückte Zurückgehen oder - laufen des
Führers mit dem Gesicht zum Hund in Betracht. (Fluchtbewegung
unter gleichzeitiger Verkleinerung der
Körperoberfläche)
NIE GEHT MAN DEM
HUND
ENTGEGEN = ANGRIFFSBEWEGUNG:
Das wirkt nicht
anziehend, sondern abstoßend auf unseren Hund. Ein
eingeschüchteter Hund würde die Flucht ergreifen.
Läuft der Hund bei irgendeiner Gelegenheit davon, so lauft
unter liebkosendem „hier“ von ihm weg.
Flüchtet sich der Hund in einen Raum, so gehe man unter
wiederholtem „so-is-brav-“ auf ihn zu, liebkost ihn
und leint ihn unter Liebkosung an und schließe nie daran eine
Unannehmlichkeit.
Die genannten
ursprünglichen Einwirkungen verwende man nicht nur im
Anschluss an das Ablegen, sondern auch, wenn der Hund sich frei vor uns
bewegt, z.B. nachdem man den Hund hat vorauslaufen lassen.
Verstärkt werden die Einwirkungen durch schnelleres
Zurückgehen oder durch Zurücklaufen. Es wirkt sogar
für viele Hunde besonders anziehend, wenn man sich auf die
Erde wirft (bei schönem Wetter doch möglich, oder?).
Die genannten
ursprünglichen Einwirkungen werden
regelmäßig mit „hier“
verknüpft. Bitte bedenkt aber, dass das
„hier“ erst im Verlaufe der Übungen zu
einem wirksamen Reiz wird. Es ist stets erforderlich, sofort auf die
ursprünglichen Einwirkungen unter gleichzeitigem
Ertönen des „hier“
zurückzugreifen, sobald es, allein gebraucht, das
gewünschte Verhalten nicht auslöst. Das wird noch
lange der Fall sein.
Wie schon
erwähnt, muss das „hier“ in den ersten
Wochen der Abrichtung/Erziehung stets liebevoll ausgesprochen werden.
Der Hund spürt übrigens auch, ob ihr ihm innerlich
gut gesonnen seid, denn bei unfreundlicher Stimme verrät man
dem Hund schon durch Bewegungen und besonders durch den Tonfall, dass
Unangenehmes folgt. Dies tritt noch deutlicher in Erscheinung, wenn ein
zorniges oder erregtes „hier“ ertönt.
Die innerliche
Freundlichkeit hat entsprechende Ausdrucksbewegungen von uns Ausbildern
und damit für das Tier die Ausschaltung von Angst zur Folge.
Die Erfahrung, dass dem herangekommenen Hund nie etwas Unangenehmes
widerfährt, ist planmäßig dadurch zu
festigen, dass der Hund stets mit dem Ermunterungslaut empfangen und
unter dessen wiederholtem Gebrauch "geliebelt" wird.
Niemals
dürft
Ihr in unmittelbarem Anschluss an das Herankommen eine mit Zwang
verbundene Übung durchführen, denn auch diese
Unannehmlichkeit würde sich mit dem Herankommen
verknüpfen.
Also: Bei
„Nichtgehorsam „ leint ihn ohne Kommentar an, auch
wenn es Euch noch so schwer fällt, dem Lümmel zu
verzeihen.
Übt man
in
der angegebenen Weise, so sind, immer noch unter Vermeidung starker
Ablenkungen, sehr gute Ergebnisse zu erzielen.
Auf dieser
Grundlage
kann Zwang einsetzen:
Hierbei sind 2
Fälle möglich. Der Hund kommt auf das
„hier“ nicht oder er kommt, unterbricht aber das
Herankommen, indem er z.B. unterwegs stehen bleibt und am Boden
schnuppert. Im ersten Fall ertönt ein d r o h e n d e s
„hier“. Die dadurch erzeugte
Einschüchterung bewirkt vielfach schon, dass der Hund kommt.
Macht er nur Miene , dies zu tun, so ertönt stets sofort im
Anschluss an das drohende „hier“ ein
„so-is-brav“, das den Hund unter Aufmunterung in
das ihm bekannte Verhalten hineinlockt. Während des
Herankommens wird der Ermunterungslaut mehrfach wiederholt und der Hund
freundlichst empfangen.
Unterbricht der
Hund
das Herankommen, so ertönt ein d r o h e n d e s
„pfui“, dem sich unmittelbar ein
„so-is-brav“, anschließt, sobald er nur
im Begriff ist, das gewünschte Verhalten fortzusetzen. Immer
wird mithin die infolge eines drohenden „hier“ oder
„pfui“ verursachte Einschüchterung durch
das liebkosende „so-is-brav“ wieder behoben. Auf
diese Weise gelingt es, in vielen Fällen den Hund aus der
Ferne zu lenken. Zur Beschleunigung des Herankommens könnt Ihr
immer das schnelle Zurückgehen- oder laufen benutzen.
Herankommen
trotz
starker Ablenkungen .............
Dem Hund ein
unbedingtes Herankommen trotz starker Ablenkungen beizubringen, hat
seine grundsätzlichen Schwierigkeiten.
Sie liegen
darin, dass
man nicht immer in der Lage ist, auf den in Entfernung von uns
befindlichen Hund in dem richtigen Augenblick mit entsprechend starkem
Zwang einzuwirken, wo ein ablenkender Reiz dem Tier ein
„hier“ zuruft. Deshalb kommt man zu der Frage, ob
es möglich ist, stärkere ursprüngliche
Einwirkungen anzuwenden, die das Herankommen zur Folge haben.
Von den
verschiedenen
Möglichkeiten zum Hereinrufen unter Ablenkung oder bei
Verweigerungen
werde ich im
zweiten
Teil berichten. Wichtig ist jedoch, dass unsere Hunde zunächst
auf dem Platz das Herankommen auf Zurufen oder auf Pfiff (=Doppelpfiff)
beherrschen, um diese Verhalten dann auf eigene Reviere bei
Spaziergängen zu überprüfen. Versucht es,
aber ruft den Hund niemals heran, wenn Ihr Euch nicht sicher seid, ob
eventuelle Ablenkungen (andere Hunde etc.) für den Hund einen
stärkeren Reiz ausüben als von Euch der Befehl zu
kommen. Hat er instinktiv erfass, dass er sich deswegen nicht zu
fügen braucht, ist für ihn der Befehl
„hier“ ohne Bedeutung und die Erziehung muss wieder
von Vorne beginnen, und zwar Schritt für Schritt.

Hier
ist nun
der 2. Teil:
Ich
möchte
Euch hiermit kurz erläutern, wann eigentlich Zwang eingesetzt
wird oder werden kann:
Wenn der Hund
mach Ruf
des Abrichters gekommen ist, muss er stets freundlich empfangen werden.
Der Zwang hat also an anderer Stelle einzusetzen. Hierbei sind zwei
Möglichkeiten gegeben. Entweder kommt der Hund auf Zuruf oder
er kommt nicht, unterbricht das Herankommen, indem er z.B. unterwegs
stehen bleibt und am Boden schnuppert. Im ersten Fall ertönt
ein drohendes „hier“. Die dadurch erzeugten
Einschüchterungen bewirken oft schon, dass der Hund kommt.
Macht er nur Miene, dies zu tun, so ertönt stets sofort im
Anschluss an das drohende „hier“ ein
„so-is brav“, das den Hund unter Aufmunterung in
das ihm bekannte Verhalten hineinlockt. Während des
Herankommens wird der Ermunterungslaut mehrfach wiederholt und der Hund
dann freundlichst empfangen. Unterbricht der Hund das Herankommen, so
ruft einfach ein drohendes „pfui“, dem sich
unmittelbar ein „so-is-brav“ anschließt,
sobald er nur im Begriff ist, das gewünschte Verhalten
fortzusetzen. Immer wird somit die infolge eines drohenden
„hier“ oder „pfui“ verursachte
Einschüchterung durch das liebkosende
„so-is-brav“ wieder behoben.
Auf diese Weise
gelingt es, in vielen Fällen den Hund aus der Ferne zu lenken.
Damit unser Hund im schnellen Tempo zu uns kommt, benutzt einfach das
schnelle Zurückgehen oder- laufen. Versucht es einfach! Dieses
war jetzt eine Kurzwiederholung. Gehen wir nun einen Schritt
weiter.........Ich deutete in einem Schreiben an, dass ich im 2. Teil
verschiedene Möglichkeiten zum Hereinrufen unter Ablenkung
oder bei Verweigerungen sprechen werde. Denkt bitte nur immer daran,
dass der Hund seine Übungen / Gehorsamsausführungen
sicher auf unserem Platz durchführt. Ansonsten fangen wir
wieder mit kleinen Schritten von vorne an. Grund: Der Hund lernt sehr
schnell, dass er unter dem Einfluss der vielseitigen Ablenkungen nicht
sooo unter der Kontrolle seines Abrichters steht und entzieht sich
somit leicht seinen durchzuführenden Aufgaben.
Deshalb
müssen wir uns fragen, ob es möglich sei,
stärkere ursprüngliche Einwirkungen anzuwenden, die
das Herankommen zur Folge haben. Das wäre möglich,
wenn man Schmerz aus der Ferne im entscheidenden Augenblick
zufügen könnte. Vielleicht lässt sich dieses
verwirklichen mit Hilfe eines elektrischen Schlages ohne
Drahtverbindung zwischen Mensch und Hund. Als Wurfgeschoss für
Fernwirkung kann man mit bestem Erfolg eine zu einem Knäuel
zusammengebundene kleine Kette benutzen (oder ein zusammengebundenes
Kettenhalsband. Hier haben wir es mit einer Schreckwirkung zu tun. Will
man die Kette verwenden, muss man sie stets bei sich tragen, um keine
Gelegenheit zu versäumen, d.h. um sich schnelle
Wurfbereitschaft zu sichern. Neben der Möglichkeit schneller
Verwendung hat die Wurfkette noch den Vorteil, außer auf den
Hautsinn gleichzeitig durch das Geklirr auf den Gehörsinn des
Hundes zu wirken, so dass bei fortgeschrittener Abrichtung das Geklirr
der Kette bei einem Fehlwurf oder willkürlich durch einen
Schlag an der Jackentasche erzeugt, bereits als stellvertretende
Einwirkung stark auf das Herankommen wirkt. Für den Kettenwurf
beachtet:
Er kann erst
angewendet werden, wenn beim Hund bereits eine Gewöhnung
eingetreten ist und das Tier ausnahmslos erfahren hat, dass es nichts
Unangenehmes während oder nach dem Herankommen beim Abrichter
erfährt; sonst erhält der Kettenwurf keine zum
Abrichter ziehende, sondern eine von ihm abstoßende Wirkung.
Ferner darf der Hund niemals im zeitlichen Zusammenhang mit dem Wurf
wahrnehmen: Die Wurfbewegungen sowie die vorbereitenden Bewegungen zum
Werfen, nämlich das Hineingreifen in die Jackentasche
(o.ä.). Andernfalls würde der Hund versuchen, dem
Wurf auszuweichen, anstatt schnellstens heranzukommen. Sodann darf der
Kettenwurf zu keinem anderen Zweck verwendet werden, als für
das r e i n e Herankommen, um hierbei den sonst fehlenden starken Zwang
zu ersetzen. Falsch wäre es also, den Kettenwurf zum
schnelleren Ablegen zu verwenden oder, wenn der Hund einem bestimmten
Befehl nicht folgt, z.B., wenn er nicht schnell genug sein
Bringstück zuträgt, nicht laut Kommando im Platz
verweilt etc. Wichtig ist vor allem, dass der Hund nie die geworfene
Wurfkette zurückbringt, sonst gewöhnt er sich daran,
statt unmittelbar zum Abrichter zu kommen. Weiter darf die Kette nicht
verwendet werden, falls der Hund infolge von Einschüchterung
weggelaufen ist oder nicht herankommt.
Schließlich
empfiehlt sich das Verwenden des Kettenwurfes überhaupt nicht
bei Hunden, deren Tätigkeiten im Ernstfall nachteilig
beeinflusst werden könnte durch einen Wurf einer fremden Hand
oder auch durch Wurfbewegungen Fremder. Nun fragt Ihr sicher, wie die
Einwirkung mit der Kette ist. Die Kette soll den Hund immer
unvorbereitet treffen oder bei Fehlwurf an ihm vorbeisausen.
Gleichzeitig soll das Hörzeichen „ hier „
oder der übliche Pfiff ertönen. Ein Hund, der
gewöhnt ist, auf diese Hörzeichen die Richtung zum
Abrichter einzuschlagen, und der im Zusammenhang mit diesem
Hörzeichen nur Angenehmes erfahren hat---------nur solche
Hunde kommen auch............., wie gesagt für den Kettenwurf
in Frage------tut dies auch jetzt, wenn der Schreck ihm in die Glieder
fährt, zumal wenn wir als Abrichter durch wiederholt
gesprochene“ so-is-brav“ unter gleichzeitigem
Zurücklaufen ( mit dem Gesicht zu unserem Hund ) einwirkt. Der
Kettenwurf dient also für den lernenden Hund nicht
für die Fälle, wo man vergeblich versucht hat, den
Hund durch schwächere Einwirkungen zum Herankommen zu bewegen.
Dann nämlich blickt unser Vierbeiner meist auf den Abrichter,
und wir wissen ja, dass der Kettenwurf in diesem Falle niemals
angewendet werden darf. B e i s p i e l :::::: für den
richtigen Gebrauch::::::::Geht man mit dem frei vorauslaufenden Hund im
Revier, wo sich Wild aufhält, so hat man die Kette wurfbereit
in der Hand, um sie in dem Augenblick zu verwenden, wo der Hund von uns
g a n z abgelenkt an einem anziehenden Geruch schnüffelt oder
wo er gerade im Begriff ist, im Gelände einer Wildwitterung zu
folgen, oder gar einem flüchtenden Wild nachzueilen. Wird die
Kette auf diese Weise bei starken, verschiedenartigen Ablenkungen
benutzt, stets mit dem gleichzeitigem Ertönen des „
h i e r „ oder des Pfiffes, so erlangt das Herankommen einen
wesentlich höheren Grad der Zuverlässigkeit.
Mit Starkzwang
verbundene - besonders für harte Hunde - anzuwendendes
Verfahren lehne ich ab.
Wenn man nicht
will,
dass der Hund dicht zu einem herankommt, sondern das Tier nur auf sich
oder einen neuen Weg, den man einschlägt, aufmerksam zu machen
beabsichtigt, darf man nie den Laut :“HIER!“
gebrauchen, sondern man muss ein anderes Zeichen dazu wählen,
das man Achtungslaut nennt. Hierzu kann man einen schnalzenden Laut
gebrauchen, an den der Hund sich schnell gewöhnt. Er wendet
dann nur den Kopf, sobald er diesen Laut hört, läuft
nicht zum Herrn, sondern schlägt dessen neuen Weg ein.
Würde man nämlich in beiden Fällen, ob der
Hund herankommen oder sich nur nach Herrchen umsehen und sich nach
dessen Weg richten soll, denselben Laut anwenden, woran sollte der Hund
denn dann der Hund merken, in welchem Fall das
:“HIER!“ die erste oder zweite Bedeutung hat? Wir
Menschen würden aber dann vom Ungehorsam des Hundes sprechen.
Eine besondere
Bedeutung verdient das Abrufen eines Hundes, der sich mit einem
Geschlechtsgenossen trifft. Man beobachte, wie eine solche
Hundebegegnung vonstatten geht. Man bedenke, dass sich zwei begegnende,
in der Größe ziemlich gleiche Hunde sich in den
meisten Fällen als Feinde gegenüberstehen (wenn sie
ausgewachsen sind): Die Hündin sieht die Hündin als
Nebenbuhlerin, der Rüde den Rüden als Nebenbuhler an.
Steifen Schritts gehen sie sich entgegen, steifen Schritts umgehen sie
sich, einander beriechend und das Geschlecht feststellend, steif und
langsam entfernt sich der eine von dem anderen , um dann erst in eine
beschleunigtere Gangart zu verfallen. Wer v o r der Begegnung
wegläuft, ist sofort feindlicher Verfolgung ausgesetzt. Um
sich davor zu schützen, muss jede Begegnung (wie beschrieben)
durchgeführt werden.
Pfeift man daher
einem
Hund, der einem Geschlechtsgenossen begegnet, so kann er unter
Umständen diesem Pfiff nicht Folge leisten, da ihn der andere
sofort angreifen würde, sobald er von ihm weglaufen
würde. Nach Hundeart muss die Begegnung durchgeführt
werden; der abgerufene Hund muss sogar zu seinem Nutzen sich
zunächst langsamen Schrittes vom „Gegner“
entfernen, um dann erst in eine mehr beschleunigte Gangart zu
verfallen. Wirft man nach einem sich in der Begegnung befindenden
Hunde, so entsteht sofort eine Beißerei, weil das durch den
Wurf hervorgerufene Zusammenzucken als Angriffs- oder Fluchtbewegung
aufgefasst wird.

Zusammenfassend:
Für die
beim
Herankommen zu beobachtenden Gesichtspunkte ist festzuhalten:
Nie den Hund,
der
nicht herangekommen ist, schlagen oder ihm sonst irgendwelche
Unannehmlichkeiten bereiten;
nie den Hund,
der
irgendeine nicht in unserem Nutzen liegende Handlung begangen hat,
herankommen lassen, um ihn zu schlagen oder ihm sonst irgendwelche
Unannehmlichkeiten zu bereiten;
nie es zur Regel
werden lassen, sondern nur ausnahmsweise den Hund heranrufen, um
unmittelbar darauf irgendeine Zwangsübung mit ihm vorzunehmen.
Andernfalls erhält das :“HIER!“ nicht eine
zum Herrn ziehende, sondern von diesem abstoßende Bedeutung
BITTE BEACHTET
IMMER:
Freudig und
zuverlässig lernt unser Hund nur dann das Herankommen, wenn
dies in seinem Nutzen liegt.
Unterordnen kann
er
sich nur, gehorchen lediglich: DEM EIGENEN VORTEIL
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