|
16.11.2020:
Richard Didicher –
Erbkrankheiten / Canini-Engstand bei Welpen
Der
Anruf einer Bekannten aus dem benachbarten Ausland ließ mich
aufhorchen: „Ist es selbstverständlich, dass beim
Verkauf der Welpen ein „Spreizgummi“ zur
Zahnkorrektur von Canini-Engstand mit geliefert wird?“
Natürlich
nicht.
Ich
habe in meinem Leben sehr viele Würfe gesehen und auch wenige,
einzelne Welpen mit dieser fehlerhaften Zahnstellung, dies besonders
beim Einkreuzen von amerikanischen Linien, doch es waren Ausnahmen.
Was ist Canini-Engstand?
Im
Welpengebiss wachsen die beiden unteren Eckzähne nicht
schräg am Oberkiefer vorbei, sondern sie wachsen gerade nach
oben und bohren sich in den Oberkiefer des Welpen. Manchmal wird diese
Anomalie auch als Caninus-Engstand bezeichnet, dies aber nur, wenn ein
Eckzahn betroffen ist.
In
den ersten Wochen, wenn die Zähne durchbrechen, sieht das
Ganze harmlos aus. Wenn die Welpen älter werden, bilden sich
im Oberkiefer regelrechte Vertiefungen und es kann zu
Entzündungen kommen. Die Welpen haben Schmerzen und Probleme
beim Fressen. Im Extremfall weisen die Zähnchen eine
Krümmung (Hauer) auf.
Um
das zu verhindern, müssen die Zähnchen
gekürzt und verplombt werden.
Und
ich kenne den belehrenden Unterton mancher Züchter:“
Im Erwachsenengebiss ist alles weg, da die Erbinformation von
Milchzähnen und dem endgültigen Gebiss auf
unterschiedlichen Genen liegt.“
Und bis dahin?
Leider
sind mir auch Fälle bekannt, bei welchen der Canini-Engstand
auch nach dem Zahnwechsel präsent war und bei denen nur ein
chirurgischer Eingriff oder spezielle Zahnspangen (ein langwieriger
Prozess) Abhilfe schaffen konnten.
Wie
bei allen Erbkrankheiten, die man durch Chirurgie unsichtbar machen
kann, ist dies gefährlich, da befallene Elterntiere weiter in
der Zucht eingesetzt werden. (Bei manchen Rassen gehört eine
OP zum Beispiel zwecks Entropiumkorrektur bei ganzen Würfen
zum Pflichtprogramm).
Es
liegt die Vermutung nahe, dass auch dominante Gene bei der Vererbung
des Canini-Engstands eine Rolle spielen, sonst würden
betroffene Linien sich nicht so massiv durchsetzen.
Natürlich
weiß ich, dass es schwerwiegendere, auch lebensbedrohliche
Erbkrankheiten gibt, doch ich kann mich nicht damit abfinden, dass
jeder kleine Setter mit einem Gummiband in der Schnauze (dessen Sinn
sich mir noch nicht erschlossen hat) leben muss oder erst nach einem
chirurgischen Eingriff richtig fressen kann.
Hunde,
die als Welpen diese Zahnanomalie aufweisen, dürften nicht in
der Zucht eingesetzt werden.
Bilder
und weitere Details findet man unter:
https://www.tierzahnarzt.ch/index.php/caninus-engstand-beim-hund
Richard
Didicher
|